Das Gefühl, einfach abzuheben

14. Juli 2005, 14:11
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An der FH Joanneum in Graz wird die einzige Hochschulausbildung für Luftfahrtberufe in Österreich angeboten. Der STANDARD sprach mit dem ersten Absolventen

Harald Weinfurter erlebte vergangene Woche einen besonderen Tag: Immerhin hat er die erste Flugprüfung bei der Österreichischen Luftfahrtschule, dem Piloten-Ausbildungspartner der Austrian, bestanden. 35 Stunden hat der angehende Pilot bislang in der Luft verbracht: "Für den kommerziellen Pilotenschein braucht man ca. 200 Stunden, dann erst geht's in Richtung Linienpilotenschein." Wenn prüfungsmäßig alles optimal läuft, wird er Mitte nächsten Jahres seinen Job als Pilot bei der Austrian antreten.

Ein Kindheitstraum, der für ihn nach einigen beruflichen Umwegen wahr wird. "Ich habe nach der HTL ein paar Jahre im Verkauf gearbeitet", erzählt Weinfurter, - "eigentlich war es der vor vier Jahren von der FH Joanneum erstmals angebotene Studiengang ,Luftfahrt/Aviation', der meine alte Idee wiederbelebt hat." Was ihn an dieser neuen Ausbildung reizte, war "ihre Breite kombiniert mit der Möglichkeit einer speziellen Pilotenausbildung". Also hat er sich sowohl bei der FH als auch bei der Austrian beworben und bei beiden bestanden.

Dass es sich bei diesen "Selektionen" nicht nur um eine Formalität handelt, belegt allein die Zahl der Anmeldungen für den FH-Studiengang: Von etwa 150 Bewerbern werden pro Jahr rund 35 für den Luftfahrt-Studiengang genommen. Wer sich unter den zurzeit vier angebotenen "Vertiefungsrichtungen" - PilotIn, FlugzeugtechnikerIn, FlugsicherungstechnikerIn oder Aviation ManagerIn - für die Pilotenausbildung entscheidet, muss zudem noch eine Fluglinie finden, die ihn oder sie in ihr Ausbildungsprogramm aufnimmt. Ohne gute Allgemeinbildung, technisches Verständnis, eine schnelle Auffassungsgabe und - von den Fluggesellschaften gefordert - einen sehr guten Gesundheitszustand sollte man sich gar nicht bewerben.

Die Glücklichen, die schließlich zum Studiengang zugelassen werden, erwartet eine achtsemestrige, technisch orientierte Ausbildung mit einem ziemlich straffen Curriculum, das neben der Konstruktion von Flugzeugen auch betriebswirtschaftliche und rechtliche Fächer sowie eine berufsbezogene Sprachausbildung beinhaltet. "Da wir Leute für sämtliche Berufsfelder rund um die Luftfahrt ausbilden wollen, legen wir die Ausbildung in den ersten fünf Semestern sehr breit an", meint Studiengangleiter Hannes Fogt. "So können wir unseren Absolventen ein gutes Querschnittswissen vermitteln. Nach dem fünften bzw. sechsten Semester verteilen sich die Studierenden dann auf die einzelnen Studienrichtungen, wo sie sich in einem einsemestrigen (bei der Pilotenausbildung zweisemestrigen) Berufspraktikum das spezifische Fachwissen aneignen sollen".

Da Piloten üblicherweise eine ganze Reihe von Funktionen übernehmen müssen, die über das Fliegen hinausgehen - etwa technischer Pilot, Ausbildungsleiter, Qualitätsmanager -, ist die Bandbreite der FH-Ausbildung auch für sie kein überflüssiger Luxus. Außerdem werde ja nicht nur für die Fluglinien ausgebildet, "sondern für alle Bereiche, die sich um die Luftfahrt gruppieren", so Hannes Fogt. "Da geht es etwa um den Betrieb, die Wartung und den Bau von Flugzeugen bzw. Flugzeugkomponenten, um die Flugsicherung oder Infrastrukturaufgaben." Was die Job-Aussichten der Absolventen betrifft, ist der Markt nur dann ein kleiner, wenn man nur den fliegerischen Aspekt betrachtet: "Man sollte nicht vergessen", so Fogt, "dass in Österreich auch eine nicht unwesentliche Luftfahrt- Zulieferindustrie existiert."

Eine Kleingruppe

Die künftigen Piloten bilden an der FH Joanneum eine Kleingruppe von drei jungen Männern. Einer davon ist Harald Weinfurters Kollege Harald Gruber, der sein Praktikum bei Aeronaut X absolviert, um später für Tyrolean Airlines zu fliegen. Da er schon vor der FH den Privatpilotenschein machte, bringt er es mittlerweile bereits auf stolze 190 Flugstunden. An der Faszination des Fliegens hat die (relative) Routine allerdings nichts geändert: "Die Euphorie ist noch immer jedes Mal dabei", wenn er in die Luft geht: "Der schönste Moment ist das Abheben, wenn sich dieses unbeschreibliche Freiheitsgefühl einstellt." (Doris Griesser/DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2005)

  • Traum vom Fliegen: Harald Weinfurter, erster Absolvent des Studiengangs Luftfahrt.
    foto: standard

    Traum vom Fliegen: Harald Weinfurter, erster Absolvent des Studiengangs Luftfahrt.

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