Pollenwarnung per SMS

14. Juli 2005, 14:11
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Studenten der Fachhochschule Salzburg entwickeln eine Allergie-Datenbank

Helmut K. aus Lofer ist mit dem Auto unterwegs nach Wien. Bei St. Pölten piepst sein Handy, eine SMS warnt vor starkem Pollenflug im Wienerwald. Der Allergiker schließt das Autofenster und schaltet auf Umluft. Zum Geschäftstermin in der Hauptstadt erscheint er dieses Mal ohne geschwollene Augen und verschnupfte Nase. Ein automatisches Allergie-Warnsystem wie dieses ist zwar noch Zukunftsmusik, die Grundlage dafür ist aber bereits im Entstehen: eine interaktive Allergie-Datenbank, die von Forschern und Studierenden des Studiengangs Informationstechnik- & System-Management (ITS) an der FH Salzburg entwickelt wird.

"Bisher wurden Informationen zu Allergiepatienten mit Formularen zwar erfasst, nicht aber ausgewertet", erklärt Thomas Schweighofer, einer von drei am Projekt beteiligten Studierenden. "Wir wollten dazu eine Lösung finden und programmieren nun die Software für eine leistungsfähige Datenbank." Gemeinsam mit der Allergieambulanz der Salzburger Landeskliniken, dem Fachbereich für Genetik der Universität Salzburg und der Privaten Medizinischen Universität sollen im Projekt Patientendaten und Forschungsdaten zusammengeführt werden.

Ein Großteil der Programmierarbeit ist mittlerweile erledigt, der Probebetrieb soll im Juli starten. Dann werden die Computer mit den spezifischen Patientendaten gefüttert. Um welche Allergie handelt es sich, welche Symptome treten auf, liegen etwa Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln vor? Zusätzlich werden Ergebnisse von Hauttests und Blutuntersuchungen integriert.

Die Vorteile für alle Beteiligten sind groß. "Wurden bisher für Studien rund 100 Personen herangezogen, werden es bald mehrere zehntausend sein", erklärt Oberarzt Thomas Hawranek, Leiter der Allergieambulanz an den Landeskliniken. "Damit werden in Zukunft sehr genaue Aussagen über Krankheitszeichen möglich sein." Die Pharmaindustrie zeigt bereits Interesse. Die großen Datenmengen eignen sich gut für die Erforschung von Allergiemedikamenten mit ihren Auswirkungen.

"Die Datenbank ist darüber hinaus als Basis für zukünftige Anwendungen konzipiert", ergänzt FH-Student Schweighofer. Neben einem individuellen Warndienst per SMS über mögliche Belastungen, soll der Zugriff auf die Datenbank sowohl über Internet, Handy oder Personal Digital Assistant (PDA) möglich sein. Ist erst die Frage des Datenschutzes gelöst, sollen auch Fachärzte Zugang bekommen.

Die Herausforderung für die Studierenden lag vorerst freilich woanders. Neben dem anfänglichen Problem, mit dem medizinischen Stoff und dem Ärztejargon zurecht zu kommen, galt es gegen überzogene Erwartungen anzukämpfen: "Die Ärzte wollten schon beim ersten Treffen bunte Buttons für die Bedienung der Datenbank sehen." (Fritz Neumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2005)

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