Immer dieser Zwang zur Neugierde

14. Juli 2005, 14:11
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Einige österreichische Fachhochschulen haben sich als Produzenten spektakulärer Forschungsprojekte etabliert

Für den Gesetzgeber war die Sache ganz klar: Als das Parlament 1993 das Fachhochschulgesetz verabschiedete und damit gleichsam den legistischen Grundstein für die heimischen Fachhochschulen legte, da wurde unter Paragraf 12 unmissverständlich festgehalten: Lehre allein genügt nicht, an den neuen Hochschulen muss auch ordentlich geforscht werden.

Mittlerweile hat sich der Zwang zur Neugierde durchaus bezahlt gemacht. Nicht nur wird an den Labors an den Fachhochschulen an Aufsehen erregenden Innovationen gearbeitet (siehe Projektbeispiele) - die einschlägigen Arbeiten eignen sich auch als besonders flexible Instrumente in der Forschungspolitik. Allerdings: Noch wird nicht an allen Schulen den Zielsetzungen des Gesetzes im gleichen Ausmaß Rechnung getragen.

Doch warum eigentlich soll auch an Fachhochschulen geforscht werden, wenn es doch ohnehin die mit Grundlagenforschung befassten Universitätsinstitute gibt? Diese Frage kann am besten Hanspeter Winter beantworten. Winter ist zunächst einmal Professor an der TU Wien. Darüber hinaus ist er auch Forschungsbeauftragter des Fachhochschulrates - das ist jenes Gremiums, das für die Zulassung und Koordination der Fachhochschulen zuständig ist. "Natürlich sollen diese beiden Institutionen nicht konkurrieren", sagt er. "Sie sollten sich ergänzen."

Der Idealfall

Im Idealfall läuft die Aufgabenteilung so ab: An den Unis wird an den Grundlagen geforscht, an den Fachhochschulen geht es stärker darum, anwendbares Know- how zu generieren. Doch das klappt noch nicht überall. Ein Problem dabei ist das Personal. Viele Fachhochschullehrer unterrichten nur nebenberuflich, und das bremst jenes besondere Engagement, das für erfolgreiche Projekte notwendig wäre. "Einige so genannte Forschungsvorhaben könnte auch von Consultern durchgeführt werden", ätzt Winter.

Um die Erfüllung der ehrgeizigen Vorgaben des Gesetzes an möglichst allen Fachhochschulen zu erreichen, wird den Schulen und ihren Betreibern jetzt einerseits mit der Peitsche gedroht, andererseits werden sie mit großen Stücken Zuckerbrot gelockt. Die Peitsche ist in diesem Fall die unverhohlene Drohung, forschungsfaulen Schulen die alle fünf Jahre anstehende Neuakkreditierung zu verweigern. Das Lockangebot heißt FH plus und ist ein vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung empfohlenes Förderprogramm, das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft durchgeführt wird. In zwei Ausschreibungsrunden wurden seit 2002 mehr als 18 Millionen Euro für forschungsrelevante Projekte ausgeschüttet. Das soll auch in die Schaffung einer tragfähigen Infrastruktur gesteckt werden, in der die Fachhochschulen mit der Industrie auch in Zukunft kooperieren können.

Von dieser Zusammenarbeit erhoffen sich die Initiatoren nicht nur konkrete Resultate, sondern auch eines: die relativ billige Anhebung der Forschungsquote. Denn wenn durch die Kooperationen die traditionell eher weniger innovativen kleinen und mittleren Unternehmen erst einmal Blut geleckt hätten, würden sie auch mehr Geld in die "aggressive Entwicklung von Innovationen" (Winter) stecken, so die Hoffnung.

Bisher scheint der Plan aufzugehen: Mit den in der zweiten Runde von FH plus ausgeschriebenen 10,6 Millionen Euro konnte ein Projektvolumen von 18 Millionen Euro generiert werden. (Gottfried Derka/DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2005)

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