Die Schaltstelle zwischen Geisteswissenschaft und Handwerk

14. Juli 2005, 14:11
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Die FH Joanneum schließt eine Lücke im Kunst- und Museumsbetrieb

Mit der weltweit steigenden Zahl von Museen und Ausstellungen wächst auch der Bedarf an Fachleuten, die sowohl über kulturhistorisches Wissen als auch über Gestaltungskompetenz, Managementfähigkeiten und nicht zuletzt technologisches Know-how verfügen. Solche Leute zu finden ist gegenwärtig alles andere als leicht, denn eine entsprechende Ausbildung wird in Mitteleuropa schlicht nicht angeboten.

So sitzen in den Managementpositionen der Museen vor allem Geisteswissenschafter, die von der praktisch-technischen Seite der Ausstellungsgestaltung oft wenig Ahnung haben, auf der Umsetzungsebene wiederum dominieren Handwerker. Um diese (Ausbildungs-)Lücke zu schließen, wurde an der FH Joanneum das neue Magisterstudium "Exhibition and Museum Studies" entwickelt, das im Herbst 2006 (bei Bewilligung durch den FH-Rat) in Graz starten soll.

Das viersemestrige Studium mit 15 Plätzen pro Jahrgang baut auf das Bakkalaureatsstudium (FH) "Informationsdesign" auf, steht aber auch Absolventen verschiedenster Disziplinen - vom FH-Studium "Bauplanung und Bauwirtschaft" bis zu den geisteswissenschaftlichen Uni-Fächern - offen. "Wir bieten Wahlfächer an, in denen sich Geisteswissenschafter die nötigen technischen und die FH- Leute die kulturhistorischen Skills aneignen können", erklärt Studiengangleiter Karl Stocker.

Als habilitierter Historiker hat sich der bekannte Ausstellungsmacher das technische Basiswissen für seine Projekte noch selbst im Learning-by-Doing- Verfahren aneignen müssen. Den künftigen Studierenden soll dieser mühsame Weg des Wissenserwerbs durch einen ausgeklügelten Lehrplan erspart werden: So stellt dieser nicht nur die Vermittlung gestalterischer und technologischer Kompetenzen sicher, sondern beinhaltet auch Lehrveranstaltungen etwa zu Finanzierung, Personalmanagement oder Recht. "Besondere Bedeutung kommt dabei der Projektarbeit zu", betont Karl Stocker. "Gerade gestern konnte ich etwa Stella Rollig, die künstlerische Leiterin des Lentos Museums Linz, als Lehrende engagieren. Damit bekommen die Studierenden auch die Möglichkeit, dort ihr Praktikum zu absolvieren." Der Unterricht wird übrigens zum überwiegenden Teil in englischer Sprache gehalten, "da wir Lehrpersonal von internationalem Rang nach Graz bringen wollen". (grido/DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2005))

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