Gusenbauer: Kein "Kabinett des Lichts" mehr

9. Mai 2005, 13:03
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Der SP-Chef im Magazin "Datum": Imageproblem bewältigt, scharfe Kritik am ORF und Warnung vor "blutiger Nase" in Kärnten

Wien - In der aktuellen Ausgabe des Monatsmagazins Datum – Seiten der Zeit äußert sich SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer zur aktuellen Lage der Regierung und der SPÖ. Sein Imageproblem, das ihn in der direkten Kanzlerumfrage regelmäßig hinter Wolfgang Schüssel bleiben lässt, hält Gusenbauer für bewältigt. Kein Politiker könne sich die Medien aussuchen, und: "Bewertungen, die man für falsch hält, muss man aushalten". Die Zeit sei sowohl für Neuwahlen als auch für einen politischen Wechsel reif: "Den Leuten geht dieses Kasperltheater auf die Nerven".

Den ORF kritisiert Gusenbauer, er fühlt sich im Fernsehen unterrepräsentiert:"Wir versuchen, mit allen Medien des Landes so zu kooperieren, dass sozialdemokratische Positionen dort auch vorkommen – was eigentlich Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wäre." Die Frage, ob es ein neues "Kabinett des Lichts" wie vor der letzten Nationalratswahl geben wird, verneint Gusenbauer: "Posten werden nicht verteilt, bevor die Wähler gesprochen haben."

Was das parteiinterne "Problemkind" Kärnten betrifft, wo die SPÖ mit dem BZÖ von Jörg Haider koaliert, gibt sich Gusenbauer bedeckt. Dort stehe "in den nächsten Monaten" ein Wechsel in der Parteispitze bevor, "das ist so vereinbart worden". Erst danach wird beraten werden, wie die weitere Strategie der SPÖ für Kärnten aussieht. Eines steht für Gusenbauer indes fest: "Wer glaubt, von außen nach Kärnten hineinregieren zu können, kann sich nur eine blutige Nase holen." Auf konkrete Aussagen, was unter seiner Kanzlerschaft anders würde, lässt sich Gusenbauer nicht ein, außer: Unter seiner Führung würde die Bundesregierung eine Erhöhung des Entwicklungshilfebudgets auf 0,7 Prozent des BIP anstreben, außerdem will er an "die lange Vermittlungstradition des Landes im Nord-Süd-Dialog wie im Nahostkonflikt" anknüpfen, denn: "Wer sonst sollte dazu besser prädestiniert sein als ein österreichischer Bundeskanzler?" (red)

  • Gusenbauer im DATUM: "Den Leuten geht dieses Kasperltheater auf die Nerven".
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    Gusenbauer im DATUM: "Den Leuten geht dieses Kasperltheater auf die Nerven".

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