Weil Fußball ganz einfach sein kann

10. Mai 2005, 13:55
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Rapid walzt durchs Finish, das 6:0 gegen die Admira birgt aber auch Gefahren

Wien - Es ist dumm gelaufen. Auf ein 5:0 gegen Salzburg ließ Rapid am Samstag ein noch schamloseres 6:0 gegen die Admira folgen. Ein wenig mehr Zurückhaltung wäre in beiden Fällen angebracht gewesen. Schließlich trifft man sich in dieser Meisterschaft noch einmal. Bereits am Mittwoch in der Südstadt, später dann, nach der programmierten Gaudi im St. Hanappi mit Bregenz, führt die Reise nach Salzburg. Was Trainer Josef Hickersberger insofern beunruhigt, "als der Wille, sich nach derartigen Debakeln zu revanchieren, stark sein wird". Andererseits kann er mit dieser Sorge leben, sie bereitet ihm zum Beispiel keine Nächte ohne Schlaf.

Die nimmersatte Rapid ist von jeglicher Schuld freizusprechen. Admiras Trainer Dominik Thalhammer, der davon ausgeht, dass sein Vertrag verlängert wird, soll angeblich ein Rezept ausgetüftelt haben, um den Tabellenführer zu schlagen. Um einer Peinlichkeit zu entgehen, hat er es nach dem 0:6 nicht preisgegeben, er sagte: "Rapid war drei Klassen stärker. Ein Fehler beim ersten Tor hat gereicht, um sie ins Rollen zu bringen." Michael Hatz, der einst für die Walzen kicken durfte, meinte, man sei vom künftigen Meister abgefertigt worden. Und es schien, als freute er sich angesichts des gefüllten St. Hanappi zumindest innerlich.

Das Prunkstück

So ein Lauf schreit förmlich nach Erklärungen. Rapid trat zum vierten Mal in unveränderter Aufstellung an, sogar der außer Form geratene Stürmer Marek Kincl wird mitgetragen, ist Teil des Systems. Irgendwann wird er eben durch Thomas Dosek ersetzt, und der schießt zum Beispiel gegen die Admira zwei Tore. Das Mittelfeld ist quasi das Prunkstück, in diesem geigen Steffen Hofmann, Sebastian Martinez, Peter Hlinka und Andreas Ivanschitz. Abwechselnd oder zusammen, für die Gegner sind sie deshalb nicht zu fassen. Die Abwehr erinnert am Rande an die Musikantin Stefanie Werger (was ist eigentlich aus der geworden?), sie ist nämlich stark wie ein Felsen. Und vorne rackert und trifft Axel Lawaree. Hickersberger: "Respekt vor allen. Ich traue meiner Mannschaft mehr zu, als die Leute glauben." In Frank Stronachs Worten könnte man die Situation so beschreiben: "Wir sind ursprünglich als das Dark Horse gestartet, das dann im Rennen bewiesen hat, dass es galoppieren kann."

Die Intrigen bei der Austria interessierten ihn, Hickersberger, kaum: "Obwohl ich gerne darüber lese und mir Geschichten erzählen lasse."

Lawaree erklärte den Fußball zur "einfachsten Sache. Ich bin gut, weil meine Kollegen gut sind. Wenn man fit ist, wächst das Selbstvertrauen. Man hat mir hier immer das Gefühl gegeben, wichtig zu sein. Bei der Austria wäre ich vermutlich gescheitert."

Martinez hat sich zum Schlüsselspieler (einer von vielen) gemausert. "Ich konnte mein Selbstbewusstsein aufbauen, weil jeder für jeden da ist. Den Titel können wir nur mehr selbst verhindern." Kapitän Hofmann sieht es ähnlich: "Wir müssen die Konzentration bewahren." Damit es nicht dumm läuft. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 09.05.2005)

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    Pepi Hickersberger braucht derzeit nur jubeln.

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