Keine Pille an Unverheiratete

9. Mai 2005, 07:00
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Religiöses Empfinden versus Frauenrecht in den USA: ApothekerInnen erschweren Zugang zu Verhütungsmitteln

In den USA ist eine Debatte um die Rechte von ApothekerInnen vom Zaun gebrochen, die mittlerweile in den Parlamentsgebäuden im ganzen Land diskutiert wird: Sollen die HüterInnen von Pharmazeutika das Recht haben können, aus ethisch-religiösen Gründen die Ausgabe von Pille und Co. zu verweigern? Viele tun es nämlich, auch ohne gültiges Recht.

Religiöses Empfinden versus Frauenrecht

Wie die Washington Post berichtet, häufen sich Fälle, in denen Frauen trotz vorhandenem ärztlichen Rezept hormonelle Verhütungsmittel oder die "Pille danach" nicht ausgehändigt worden sind. Die Argumentation der ApothekerInnen: Sie wollten sich nicht an einer Handlung beteiligen, die ihrem religiösen Empfinden zuwider laufe, es gelte, Leben zu erhalten, nicht zu verhindern oder zerstören. Unterstützung finden die so Handelnden in der Katholischen Bischofskonferenz der USA und der Vereinigung "Pharmacists for Life International" und, nicht zuletzt, in rechtskonservativen FürsprecherInnen in der Politik, die ihre Chance sehen, einen weiteren Schritt gegen reproduktive Rechte, Frauenrechte, Abtreibung, vorehelichen Sex generell zu setzen.

Vorallem unverheirateten Frauen würde der Zugang zu pharmazeutischen Kontrazeptiva erschwert, wie Adam Sonfield vom Allen Guttmacher Institute, das sich Reproduktionsthemen annimmt, der WP mitteilte. Viele der ApothekerInnen würden Verhütung mit Abtreibung gleichsetzen und die Pillen-Rezepte weder an die Frauen zurück aushändigen noch an eine andere Apotheke überstellen.
Aber auch verheiratete Frauen trifft die neue Keule in den Händen der selbsternannten RichterInnen. Wie im Falle einer 44-jährigen, für die in der Apotheke um die Ecke die "Pille danach" nicht erhältlich war und die sich vor die Frage gestellt sah, wie sich Fremde dazu aufschwingen konnten, darüber zu bestimmen, dass sie ihr sechstes Kind auszutragen hätte.

Backlash

Rachel Laser vom "National Women's Law Center" in Washington sieht in derartigen Weigerungen eine neue - alte - Ausprägung sexueller Diskriminierung, wie sie der WP in einer Stellungnahme mitteilte. Das fundamentale Recht der Frau würde auf diese Weise nun im Gesundheitswesen eingeschränkt. Verschärfen könnte sich die Situation weiter, wenn die "Food and Drug Administration" die "Pille danach" rezeptfrei stellt, was die Apotheken zum Gatekeeper eben dieser machen würde.

Restriktionen müssen die VerweigererInnen nämlich zur Zeit nicht fürchten. Erst in einem Fall wurde ein Apotheker in Wisconsin in einem Disziplinarverfahren belangt und zu Ethikunterricht verdonnert. Außerdem muss er seine künftigen MitarbeiterInnen über seine religiösen Überzeugungen und daraus resultierenden Handlungen vorab aufklären. Damit wenigsten diese wissen, woran sie sind, wenn schon nicht die Frauen, die sich an ihn wenden. (bto)

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    Trotz Rezept keine Pille - keine Seltenheit in den USA.
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