Zwei Ruandesen wegen Beteiligung an Völkermord vor Gericht

15. Mai 2005, 12:37
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Halbbrüder sollen Hutu-Rebellen unterstützt haben - Indirekte Beteiligung am Tod von rund 50.000 Menschen

Brüssel - In Belgien stehen ab Montag zwei Männer aus Ruanda wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an dem 1994 in ihrem Heimatland verübten Völkermord vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft in Brüssel wirft den beiden Halbbrüdern vor, während der Ermordung von rund 800.000 Tutsis und gemäßigten Hutus in dem afrikanischen Land aktiv die bewaffneten Hutu-Rebellen unterstützt zu haben.

Die Angeklagten sollen mit einer Gruppe zusammengearbeitet haben, die für den Tod von etwa 50.000 Menschen verantwortlich gemacht wird. Insbesondere hätten die beiden Geschäftsmänner die Kämpfer mit Lastwagen ausgerüstet und nach den Morden mit Bier versorgt. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. In dem voraussichtlich sieben Wochen dauernden Prozess sollen 180 Zeugen vernommen werden - viele davon werden eigens aus der früheren belgischen Kolonie eingeflogen.

Die beiden Ruandesen können in Belgien vor Gericht gestellt werden, weil sie inzwischen dort leben. Ein Gesetz über Kriegsverbrechen sieht vor, dass die belgische Justiz Verdächtige in so einem Fall auch dann verurteilen kann, wenn sie nicht die belgische Staatsangehörigkeit besitzen und Kriegsverbrechen in einem anderen Land begangen haben. (APA/Reuters)

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