Ein Schutzschild gegen hohe Verluste

26. Mai 2005, 19:53
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Damit ein Hedgefonds nicht zum unkalkulierbaren Risiko wird, sollten Privatanleger einige Punkte beachten

New York/Wien - Der Ruf von Hedgefonds ist unter Privatanlegern kein besonders guter: Kaum jemand weiß, was so ein Fonds wirklich tut, und spektakuläre Zusammenbrüche wie der des Long Term Capital Management-Fonds (LTCM) im Jahre 1999, der Banken und Anlegern Milliarden kostete, machten weltweit Schlagzeilen.

Und heuer haben Anleger, die in die spezielle Form eines Rohstoff-Hedgefonds (Commodity Trade Advisers, CTA) investierten, mitunter die Hälfte ihres Geldes verloren, wie vergangene Woche an dieser Stelle zu lesen war.

Damit dieses Risiko minimiert wird, sollten Investoren die Anlage-Stile mischen, rät Andreas Zakostelsky, Geschäftsführer von Raiffeisen Capital Management (RCM) - und zwar durch einen Dachfonds.

"Den" Hedgefonds gebe es nämlich nicht, sondern die meisten Hedgefonds setzten Schwerpunkte: Der eine versucht, Trends auf den Rohstoffmärkten zu folgen, ein anderer setzt auf steigende oder fallende Aktienkurse oder nützt einfach Preisunterschiede für Aktien oder Rohstoffe an verschiedenen Märkten aus (Arbitrage).

Zufallsprinzip

Einer Untersuchung der Finanzberatungsgesellschaft Lazard zufolge vermindert sich das Risiko bereits gewaltig, wenn 500 Hedgefonds nur nach dem Zufallsprinzip in Gruppen zu je 25 Fonds zusammengefasst werden. Die Charakteristik des Investments ändert sich von hoch spekulativ (Standard-Schwankungsbreite auf Jahresbasis von 20, 30 Prozent und mehr) auf die eines konservativen Anleihe-Portfolios (Schwankungsbreite deutlich unter zehn Prozent).

Das wird eben durch die Diversifizierung der Anlage-Stile und der fondsspezifischen Risiken erreicht, unterstreicht RCM-Geschäftsführer Gerhard Aigner. RCM lässt seinen Dach-Hedgefonds von der US-Gesellschaft AIG managen.

Der Fonds erreicht bei einer Volatilität (Schwankung) von nur drei bis fünf Prozent ein Ertragsziel von sechs bis acht Prozent nach Kosten. AIG verwaltet derzeit rund 500 Milliarden Dollar, Raiffeisen Capital Management hat AIG derzeit 350 Millionen Euro an Kundengeldern zur Verwaltung übergeben.

Gut in Krisenzeiten

Was ein ein Dach-Hedgefonds kann, zeigt sich vor allem in Krisenzeiten und bei externen Schocks: Während beispielsweise der Welt-Aktienindex von Morgan Stanley (MSCI World) während Ereignissen wie den Platzen der New-Economy-Blase, den Terroranschlägen vom 11. September oder den Bilanzierungsskandalen (Enron, etc.) bis zu einem Fünftel seines Wertes einbüßte, verlor der AIG-Hedgefonds maximal zwei Prozent.

Das spiegelt sich natürlich auch in der Gesamtperformance wider: Seit dem Jahresende 2000 hat sich der Dach-Hedgefonds auch nach Kosten deutlich besser entwickelt als Aktien und Anleihen.

Genügend Risiken bleiben

Dennoch bergen Hedgefonds noch genügend Risiken und Nachteile: So sind sie nicht täglich handelbar, weil die Kurse nicht täglich festgestellt werden, und auch die Kosten sind deutlich höher, wenn der Fonds Geld verdient: Neben der Verwaltungsgebühr von 1,75 Prozent pro Jahr kommt noch ein Abzug von 12,5 Prozent des Gewinns, der den Euribor-Zinssatz plus 3 (derzeit also rund 5,2 Prozent) überschreitet.

Mehr als zehn Prozent, rät Zakostelsky, sollte ein Hedgefonds im Gesamtportfolio aber nicht ausmachen. (Michael Moravec, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.05.2005)

  • Infografik: Krisenresident
    grafik: der standard

    Infografik: Krisenresident

  • Infografik: Performance-Vergleich
    grafik: der standard

    Infografik: Performance-Vergleich

  • Infografik: Risikominimierung durch Diversifikation
    grafik: der standard

    Infografik: Risikominimierung durch Diversifikation

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