Gute Unternehmer können in Georgien punkten

20. Mai 2005, 16:51
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Der georgische Wirtschaftsminister Kacha Bendukidze erzählt im STANDARD-Interview vom Reformfortschritt und den anstehenden Problemen in der ehemaligen Sowjetrepublik

STANDARD: Wie weit sind Sie mit den Fortschritten im Land zufrieden, nachdem Sie sich die drei Aufgaben gestellt haben: Privatisierung, Steuerreduzierung und Verringerung der Bürokratie?

Bendukidze: Natürlich will man immer mehr, aber vieles wurde bereits getan. Ich denke, die Steuerreform ist auf dem richtigen Weg. Ein wesentlicher Teil der Steuern wurde reduziert (zwölf von 21 Abgaben wurden gestrichen, die Einkommenssteuer auf einheitliche zwölf Prozent gesenkt, Anm.).

STANDARD: Wie steht es mit der Privatisierung?

Bendukidze: Sie entwickelt sich in die richtige Richtung. Ich denke, dass wir in diesem Jahr den Hauptteil der Privatisierungen der großen Objekte abschließen, sodass uns fürs erste Halbjahr 2006 nur noch einige Objekte übrig bleiben.

Da gibt es noch einiges zu bedenken, denn es betrifft etwa den Bereich der Eisenbahn. Wichtig ist, dass die Ökonomie aus den Händen des Staates zu einer größeren Anzahl von Leuten übergeht. Schon tauchen neue Spieler auf, die es zuvor nicht auf dem Markt gab.

Hinsichtlich der Entbürokratisierung wird die Hauptarbeit jetzt gemacht. Bei der Lizenzierung machen wir eine vereinfachte Prozedur, das Prinzip des "One-Stop-Shop". Wenn der Beamte auf das Ansuchen nicht antwortet, so ist die Lizenz genehmigt. Gute Unternehmer können in Georgien punkten.

STANDARD: Es gibt aber auch viele Kritiker. Wie sehr sind diese mittlerweile von Ihren Maßnahmen überzeugt?

Bendukidze: Die Kritik kam von zwei Seiten: Von der linken, die sich gegen eine Privatisierung für Geld und für eine Verteilung an die Arbeiter aussprachen.

Andererseits von den Ultranationalisten, die in keinem Fall zulassen wollen, dass Ausländer zu uns kommen. Ich denke, dass beide Gruppen marginal sind und nicht überzeugt werden können, denn für sie ist es eine Glaubensfrage.

STANDARD: Sie betreiben große Geschäfte in Russland. Worin liegt der Unterschied zwischen Georgien und Russland?

Bendukidze: In Russland ist ein wesentlicher Teil des Business mit der Privatisierung und der Koordinierung der bestehenden Produktion verbunden, in Georgien hingegen weniger mit der Privatisierung, als vielmehr mit der Schaffung einer neuen Produktion.

Außerdem ist Russland für sich allein schon ein großer Markt; in Russland kann man also investieren, um den russischen Markt zu erobern. Georgien ist ziemlich klein; die Eroberung nur des georgischen Marktes ist daher nur für einige Sparten interessant.

Um ein großes Business aufzuziehen, ist Georgien vielmehr als Produktionsplatz für den Reexport nach Russland, Europa, Ukraine usw. interessant. Dazu kommen unsere Transportmöglichkeiten.

STANDARD: Welche Sektoren haben die meisten Perspektiven?

Bendukidze: Es hängt vom Unternehmer ab. Wir haben keine politischen Präferenzen für einen Sektor, deshalb ist auch unser Steuerkodex neutral gehalten. Mir persönlich scheinen gute Möglichkeiten für eine Investition in die Agrarproduktion oder etwa den Tourismus gegeben.

STANDARD: Welchen wirtschaftlichen Impuls erwarten Sie vom Bush-Besuch am 10. Mai?

Bendukidze: Unmittelbar nichts Außerordentliches. Das Business entwickelt sich ja nicht durch Anstöße, sondern vom Wunsch, Geld zu verdienen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.05.2005)

Das Gespräch führte Eduard Steiner

Zur Person

Präsident Michail Saakaschwili hat Kacha Bendukidze als einen der berühmtesten Auslandsgeorgier zum Umbau des Landes für einige Jahre gewonnen, ihm zuerst das Wirtschaftsministerium und mittlerweile das Sekretariat für Reformkoordination überantwortet. Zuvor war Bendukidze 28 Jahre lang in Russland, wo der Doktor der Biologe sein Maschinenbau-Imperium Vereinte Maschinenbau-Werke (OMZ) aufbaute.
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    Der hunderte Millionen "schwere" Georgier Kacha Bendukidze gilt als "Turbo-kapitalist": "Wir verkaufen alles außer unserem Gewissen."

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