Deutsche Kapitalismus-Debatte sorgt bei Unternehmern für Unruhe

20. Mai 2005, 16:51
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Manager wollen mit Schröder sprechen - Innenminister Schily geht auf Distanz

Frankfurt/Main - Die von SPD-Chef Franz Müntefering angestoßene Kapitalismus-Debatte sorgt für Unruhe bei deutschen Unternehmern. Manager wollen deswegen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder sprechen, wie die "Welt am Sonntag" berichtete.

Als Termin wurde der 1. Juni genannt. Ein Regierungssprecher bestätigte dies auf AP-Anfrage jedoch nicht. Unterdessen ging der deutsche Innenminister Otto Schily auf Distanz zu den kritischen Äußerungen Münteferings, während Finanzminister Hans Eichel die Kopplung von Managergehältern an Börsengewinnen rügte.

Bei dem Treffen mit Schröder wollen laut der "Welt am Sonntag" die drei Beauftragten der Berliner Bundesregierung für Investitionen aus dem Ausland, Lufthansa-Aufsichtratschef Jürgen Weber, Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und Ex-Daimler-Manager Klaus Mangold, zusammen mit 20 Vertretern amerikanischer Firmen in Deutschland die Folgen der Debatte diskutieren.

"Wir treffen uns am 1. Juni", wird Weber zitiert. Der Kanzler werde dann aus erster Hand erfahren, wie die Kapitalismus-Debatte auf das Ausland wirke.

"Überzogene Diskussion"

Philips-Chef Gerard Kleisterlee bezeichnete die Kapitalismus-Diskussion im "Handelsblatt" als überzogen und rief zu mehr Sachlichkeit auf. Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, sagte laut "Focus", "eine Grundsatzdiskussion über unsere Wirtschaft" sei unnötig.

SPD-Politiker Klaus von Dohnany forderte in der "Sächsischen Zeitung", dass mehr deutsche Unternehmen in der Lage sein müssten, andere Firmen zu übernehmen. "Wir sollten die Übernehmer sein und nicht diejenigen, die übernommen werden", wird er zitiert. "Wenn die größte deutsche Bank in die Hand von US-Banken fällt, möchte ich nicht wissen, wie es künftig um Kredite hier zu Lande steht."

Siegfried Jaschinski, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bezeichnete Münteferings Kritik als teilweise berechtigt. Der "Stuttgarter Zeitung" sagte er, der Vergleich von Finanzinvestoren mit Heuschrecken, die alles wegfräßen, sei zwar überzogen. Aber "in Wahrheit gibt es Heuschrecken, die bestimmte Pflanzen fressen und andere stehen lassen".

Schily gegen Pauschalschelte

Schily wies in der "Bild am Sonntag" eine Pauschalschelte gegen Unternehmer und Investoren zurück. "Wir haben in Deutschland eine Vielzahl engagierter und sozial eingestellter Unternehmer, und je mehr Kapital ausländische Investoren in unser Land bringen, desto besser", wird er zitiert. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup warnte im "Focus" vor einem unternehmensfeindlichen Kurs.

Eichel sagte der "Bild am Sonntag", zur sozialen Marktwirtschaft gehöre zuerst, dass ein Unternehmen seine Kunden zufrieden stelle. "Das kann es aber nur, wenn Qualität und Preise stimmen. Dazu braucht man zufriedene Mitarbeiter, die am Unternehmensertrag ordentlich beteiligt sind", mahnte Eichel.

Er räumte ein, dass die deutsche Regierung die Macht des Kapitals nur schwer beschränken könne. "Das ist nicht national zu machen", sagte der Minister dem Blatt. Als Beispiel nannte er Steueroasen im Ausland. "Was wir brauchen ist eine Vereinheitlichung der Unternehmensbesteuerung in Europa", erklärte er. (APA/AP)

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