Geheimniskrämer

12. Juli 2005, 15:30
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Transparenz bei den Manager-Gehältern sorgt zwar auch für Neid - darauf zu verzichten wäre trotzdem grundlegend falsch - Von Luise Ungerboeck

Wirklich Grund zum Jammern haben die Chefs börsennotierter Unternehmen auch hier zu Lande nicht mehr, wenn sie auf ihre Gehaltszettel schauen. Ihre Gagen zwingen sie nicht an den Bettelstab, wie sie das Österreich und der Welt stets weismachen wollten.

Während das Pro-Kopf-Einkommen der "Indianer" durchschnittlich um zwei Prozent stieg, genehmigten sich die "Häuptlinge" im Schnitt schlanke dreizehn Prozent. Die Gewinne aus Aktienoptionsprogrammen nicht eingerechnet, versteht sich.

Gerade bei diesen lässt sich aber so richtig abcashen, insbesondere, wenn sich diese - wie zum Beispiel bei Telekom Austria und VA Tech - hauptsächlich an Kurssteigerungen orientieren. Ein paar Jubelmeldungen da, ein paar unerklärliche Kurssprünge dort, und schon ist die Brieftasche dicker.

Dass die öffentliche Auflistung von Vorstandsgagen nicht nur Transparenz schafft, sondern auch die Neidgenossenschaft auf den Plan ruft, vor allem in Zeiten von Arbeitsplatzabbau und Kostendruck, ist klar. Deshalb darauf zu verzichten, wäre allerdings grundlegend falsch. Denn zu beurteilen, ob die Bosse ihr Geld auch tatsächlich "verdienen", obliegt den Aktionären.

Die schauen aber offensichtlich noch nicht genau genug, denn sonst könnten es sich weit weniger Unternehmensvorstände leisten, in ihren Bilanzen zwar die Summe ihrer Vorstandsgehälter anzugeben, diese aber nicht nach Personen aufzuschlüsseln.

Das gilt insbesondere für die Verstaatlichtenholding ÖIAG. Sie ist zwar nicht börsennotiert, rühmt sich aber einer vorbildlichen Haltung, was die Corporate Governance Kodex genannten Wohlverhaltensregeln für Unternehmen betrifft. Ihren Aktionären, immerhin Millionen von Steuerzahlern, bleibt sie diese Transparenz aber schuldig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.05.2005)

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