Die Hautfarbe als Todesurteil

17. Mai 2005, 12:28
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Studie in Ohio: Mördern von weißen Opfern droht eher Todesstrafe

Columbus - Für einen Mörder im US-Staat Ohio kann die Hautfarbe seines Opfers und seine Herkunft den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Eine Untersuchung von fast 2000 Fällen ergab, dass Täter eher zum Tode verurteilt wurde, wenn das Opfer weiß war. Auch der Ort des Verbrechens spielt eine Rolle. Die Nachrichtenagentur Associated Press untersuchte 1936 Todesurteile von 1981 bis 2002. Das Ergebnis deckt sich mit anderer Studien, wonach die Hautfarbe von Angeklagten und Opfers das Strafmaß beeinflusst.

Angeklagte, die wegen Mordes an einem Weißen vor Gericht standen, wurden in Ohio mit einer doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit zum Tode verurteilt wie in Mordfällen, bei denen das Opfer eine dunkle Hautfarbe hatte. Bei Fällen mit weißen Opfern wurde in 18 Prozent der Fälle die Todesstrafe ausgesprochen. Bei schwarzen Opfern waren es nur 8,5 Prozent.

Fast die Hälfte der Fälle, in denen die Todesstrafe drohte, endete mit einer Absprache zwischen Staatsanwalt und Verteidiger, sodass es zu keiner Hinrichtung kam. Im Bezirk Cuyahoga, einer demokratischen Hochburg, wurden nur acht Prozent der Schwerverbrecher zum Tode verurteilt. Im konservativen Bezirk Hamilton waren es 43 Prozent.

Demokratische und republikanische Abgeordnete hatten 2004 eine Studie zur Todesstrafe in Ohio gefordert. Das Repräsentantenhaus unterstützte die Forderung, der Senat lehnte sie jedoch ab. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 5. 2005)

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