Siemens lehnt Hearing ab

9. Mai 2005, 19:30
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VA Tech-Vorstand muss am Montag entscheiden, ob er auf ein Hearing bei den Kartellbehörden in Brüssel besteht

Linz/Wien - In eine heiße Phase geht die Übernahme der VA Tech durch Siemens im EU-Kartellverfahren. Für Spannung sorgt im vertieften Prüfverfahren, dass es Siemens in der Vorwoche abgelehnt hat, sich in Brüssel einem öffentlichen Hearing über die Causa zu stellen.

Man verzichte auf eine öffentliche Anhörung, weil man überzeugt sei, die restlichen offenen Punkte auch so klären zu können, so die Begründung des Münchner Elektromultis.

Der Ball liegt nun bei der VA Tech. Der Anlagenbau- und Energietechnikkonzern kann nämlich auf Abhaltung eines Hearings bestehen. Sehr wahrscheinlich, dass er das tut, ist es freilich nicht, das zeichnete sich bereits vor dem Wochenende ab.

"Neutrale Position"

Denn der Vorstand unter Noch-Generaldirektor Klaus Sernetz hatte zum Übernahmeangebot des Großaktionärs Siemens eine "neutrale" Position eingenommen. Jetzt eine Anhörung zu verlangen, wäre wohl inkompatibel, heißt es in Siemens-Kreisen.

Die endgültige Entscheidung muss der Tech-Vorstand heute, Montag fällen. Eine Stellungnahme dazu wollte im Konzern niemand abgeben. Spannend wäre insbesondere gewesen, wer diese abgegeben hätte.

Denn entgegen der Ankündigung vom 12. April wurde bis dato weder Sernetz noch Finanzvorstand Hanno Bästlein beurlaubt. Zusammen mit dem interimistischen Generaldirektor, Hydro-Vorstand Christian Habegger, hat die VA Tech derzeit also zwei Vorstandschefs.

Vertragsauflösung noch nicht geklärt

Die Vertragsauflösung - diese sieht ein endgültiges Ausscheiden von Sernetz und Bästlein per 31. Juli vor und nur im Fall des Scheiterns des Deals eine Rückkehr in den Vorstand - sei noch nicht restlos geklärt, heißt es in VA-Tech-Kapitalvertreterkreisen. Die Causa werde aber spätestens am Mittwoch vom Tisch sein.

Ein Sonntagsspaziergang wäre eine öffentliche Anhörung für Siemens vermutlich nicht. Denn neben Wettbewerbs-, Industriepolitik-und sonstigen Kommissionsmitgliedern können bei solch einem Hearing EU-Abgeordnete, Kunden und vor allem Konkurrenten dabei sein - und natürlich mitreden.

"berechtigte Bedenken berechtigte Zweifel"

Zahlreiche "berechtigte Bedenken" und "berechtigte Zweifel", die die von VA-Tech-Konkurrenten und Kunden aufmunitionierten EU-Wettbewerbshüter in ihrem jüngst veröffentlichten Zwischenbericht aufgelistet haben, ließen eine hitzige Debatte erwarten.

Hitzig und vor allem unkontrollierbar, wie Beobachter mutmaßen. Diesem Risiko, das insbesondere vom früheren VA-Tech-Partner Schneider Electric in Frankreich und von SMS Demag (Stahlwerksbau; derzeit im Scheidungsprozess mit Siemens) ausgeht, wolle sich Siemens offenbar nicht aussetzen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.05.2005)

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    Noch gibt es für Siemens kein grünes Licht aus Brüssel zur Übernahme der VA Tech. Im Gegenteil, es gibt noch viele Bedenken und Zweifel.

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