Heinz-Sänger Gaissmaier im STANDARD- Interview: "Ich würde eh ungültig wählen"

9. Mai 2005, 11:49
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"Wir haben ein Sozialsystem, für das man dankbar sein kann"

STANDARD:Wie stehst du zur Wahlpflicht? Wählst du in Deutschland, bist du hier wahlberechtigt?

Gaissmaier: Ich hab meinen Wohnsitz hier, aber weil ich deutscher Staatsbürger bin, bin ich hier nicht wahlberechtigt. Ich habe mich auch nie darum gekümmert, weil ich ein bisschen ein Problem habe mit der Parteipolitik, egal in welchem Land. Ich finde, dass es damit sehr schwer ist, denn egal, wer da jetzt an der Macht sitzt, er kann eigentlich immer nur vieles falsch machen, weil allen kann man es nie recht machen. Das klingt vielleicht verantwortungslos, vielleicht hat es auch was mit Sich-davor-Drücken zu tun. Aber ich hätte echt ein Problem, ich würde wahrscheinlich eh ungültig wählen. Wählen zu gehen, um die Opposition zu stärken gegen die, die man nicht an der Macht haben will, finde ich relativ komisch, weil es halt einfach destruktiv ist.

STANDARD: In eurer aktuellen Single heißt es: "Bundeshauptregierungsstadt, wo jeder was zu jammern hat . . ."

Gaissmaier: Ja, da ist diese Riesenstadt Wien im kleinen Österreich, in der ein Viertel der Einwohner wohnen und von der das Denken diktiert wird. Es ist alles zentralistisch, monopolistisch - aber eigentlich ist es hier doch super. Wir haben ein Sozialsystem, für das man dankbar sein kann. Wie Österreich funktioniert, das ist schon absurd.

STANDARD: In Deutschland diskutiert man - ernsthafter als bei uns - immer wieder über eine deutschsprachige Musikquote im Radio. Würdest du so etwas gut finden?

Gaissmaier: Ich glaub nicht, dass die Quote das Problem ist. Die Protagonisten, die hinter der Diskussion stehen, wissen genau: Wenn so eine Quote kommt, dann werden vor allem Ambros, Fendrich und gewisse Volksmusikanten mehr gespielt und nicht die Jungen. In anderen Ländern funktioniert es, das hat aber vielleicht mehr mit dem nationalen Bewusstsein zu tun, dass die Sachen aus dem eigenen Land nicht unbedingt Dreck sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. Mai 2005)

Michi Gaissmaier, Sänger der Popband Heinz, ist Jahrgang 1972, deutscher Staatsbürger, lebt aber seit seiner Kindheit in Österreich. Das Gespräch mit ihm führte Bernhard Madlener.

Zur Person

Michi Gaissmaier erzielte als Sänger der Band Heinz Erfolge in den späten Neunzigerjahren. Die neue CD mit dem Titel "It's a crazy world" ist im Kommen. Daneben arbeitet er unter anderem als Redakteur der ORF-Fernsehproduktion "Sendung ohne Namen".

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    foto: standard/fischer
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