Kinderparty beim Verwaltungssenat

11. Mai 2005, 20:15
156 Postings

Immer mehr Menschen fühlen sich von spielenden Kindern genervt und gehen zu Gericht

Eine etwas exzessive Kinderparty, die nach der Anzeige einer Nachbarin bis zum UVS getragen wurde, wirft einmal mehr die Frage nach der real existierenden Kinderfreundlichkeit hier zu Lande auf.

***

Es war nur eine Kinderparty, die lärm- und zeitmäßig ein wenig aus den Fugen geraten war. Doch der Wiener Unabhängige Verwaltungssenat - angerufen von der Mutter des einladenden Kindes, die wegen "ungebührlicher Lärmerregung" zu 70 Euro Geldstrafe verurteilt worden war - widmete sich den Auswüchsen mit gebotenem Bierernst.

"Es entspricht der Erfahrung des täglichen Lebens, dass spielende Kinder im jungen Alter (. . .) durch Nachlaufen und Fangenspielen, Hüpfen, Trampeln etc. naturgemäß Lärm verursachen", befand der UVS. Mehr noch: Es sei, wie man wisse, "nicht leicht, mehrere fröhlich und ausgelassen spielende (. . .) Kinder zu bändigen und durch Verbote und Schimpfen in ihrem Bewegungsdrang einzuschränken".

"Dauer und Intensität"

Trotzdem: "Dauer und Intensität" des Kinderlärms seien in dem vorliegenden Fall als geeignet anzusehen, "das Wohlbefinden normal empfindender Menschen zu beeinträchtigen". Daher: keine Geldstrafe mehr, dafür aber eine "Ermahnung" für die Mutter, um sie "von weiteren strafbaren Handlungen gleicher Art abzuhalten".

Konkret vom Überziehen der angekündigten Dauer einer Kinderparty um eine halbe Stunde. Abends um halb acht, als die Frau aus der Wohnung unterhalb die Polizei rief, war nach fünf Stunden Krach immer noch kein Frieden. Die einschreitenden Beamten nahmen erst Lärm wahr, fanden in der Wohnung dann aber nur drei Kinder vor, die - offenbar bereits völlig ermüdet - am Fußboden saßen und spielten.

Den Aussagen der Polizei komme in solchen Fällen der Wert eines Gutachtens zu, erläutert hier Alexander Reisenleitner, Lärmschutzbeauftragter der Umweltabteilung des Wiener Magistrats. "Personale Geräuschentwicklung", wie sie Menschen durch Trampeln, Reden, Schreien oder Kreischen produzieren, sei "nur subjektiv messbar". Für lauthalse Kinderscharen existiert kein fixer Dezibelwert, wie etwa für unweit startende Düsenjets (140 Dezibel) oder nahes Blätterrauschen (20 Dezibel). Dafür viel Psychologie: "In Fällen von Beschwerden gegen Kinderlärm geht es meist um soziale Probleme", kommentiert der Techniker.

Flächendeckende Hausordnungen gefordert

Das kann der Wiener Kinderanwalt Anton Schmid bestätigen, ist er doch häufig mit Zorn auf laute, junge Mitbewohner konfrontiert. "Kinder", betont er nach etlichen einschlägigen Mieterversammlungen, "müssen das Recht haben, sich ihrem Entwicklungsstand entsprechend zu bewegen."

Schmid fordert flächendeckend Hausordnungen, die dies garantieren. Zum Gang durch die Verwaltungsstrafinstanzen, der zu dem im Jahresbericht 2004 der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft abgedruckten Urteil führte, fällt ihm nur ein: "Wenn es nicht so traurig wäre, dass so etwas wirklich passiert, könnte man bei der Lektüre gute Unterhaltung wünschen." (Irene Brickner/DER STANDARD; Printausgabe, 9.5.2005)

  • Bäähhh! Zunge zeigen macht wenigstens keinen allzu großen Lärm. Spielende Kinder - vor allem, wenn ein Ball im Spiel ist - bringen immer mehr Erwachsene in Rage
    foto: standard/fischer

    Bäähhh! Zunge zeigen macht wenigstens keinen allzu großen Lärm. Spielende Kinder - vor allem, wenn ein Ball im Spiel ist - bringen immer mehr Erwachsene in Rage

Share if you care.