Parteirebellen legen Blair Rücktritt nahe

14. Mai 2005, 15:50
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Premier beruft Getreue in die Regierung - Historische Niederlage des Friedensnobelpreis- Trägers David Trimble in Nordirland

Nur drei Tage nach seinem Wahlsieg sah sich Tony Blair am Sonntag mit Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert. Zwar schaffte er es als erster Labour-Premier der britischen Geschichte, dreimal in Folge ein Parlamentsvotum zu gewinnen, doch nach schweren Einbußen muss er sich einer aufkeimenden Rebellion erwehren.

Ex-Außenminister Robin Cook, der im Streit um den Irakkrieg aus der Führungsriege ausgeschieden war, legte Blair ans Herz, "eher früher als später" abzutreten, um Platz zu machen für Gordon Brown, den populären Schatzkanzler. "Blair muss sorgfältig prüfen, ob er sein Vermächtnis nicht am besten sichert, indem er seiner Partei diesen letzten Dienst erweist", sagte Cook. Frank Dobson, einst Gesundheitsminister, nannte den Amtsinhaber unumwunden eine Last für die Labour Party.

Jeremy Corbyn, Sprecher des linken Parteiflügels, kündigte eine Initiative mehrerer Abgeordneter an, die Blair einen Rücktrittsfahrplan diktieren wollen. "Vielleicht gelangt er zu der Einsicht, dass das Ende der G-8-Präsidentschaft eine guter Zeitpunkt ist, um zu gehen." Noch bis zum 31. Dezember hat das Vereinigte Königreich den Vorsitz der Gruppe der acht größten Industrienationen inne.

Der Premier wiederum versuchte durch eine Kabinettsumbildung im Machtpoker mit Brown seine eigene Hausmacht zu stärken. Demonstrativ holte er David Blunkett, einen seiner treuesten Anhänger, zurück ins Kabinett. Der frühere Innenminister hatte im Dezember seinen Hut nehmen müssen, weil er dem philippinischen Kindermädchen seiner Geliebten schneller als üblich zu einem Visum verhalf. Jetzt übernimmt Blunkett das Ressort Arbeit und Rente.

Brown wiederum sorgte dafür, dass sein Intimus Jack Straw, der wegen des Irakkrieges angeschlagen schien, weiterhin für Auswärtiges zuständig ist. Douglas Alexander, ein Protegé des Schatzkanzlers, wird Europa-Staatssekretär. Der Posten hat schon deshalb Gewicht, weil den Briten im nächsten Jahr eventuell ein Referendum über die EU-Verfassung ins Haus steht.

Trimble verliert, Paisley gewinnt

In London ist man dermaßen auf den Postenschacher fixiert, dass die historische Niederlage eines Friedensnobelpreisträgers fast unterging. David Trimble, einer der Väter des Belfaster Karfreitagsabkommens von 1998, verlor seinen Wahlkreis an einen Vertreter von Ian Paisleys Democratic Unionist Party (DUP), die den Friedenspakt nach wie vor ablehnt. Trimble trat am Wochenende vom Vorsitz seiner Ulster Unionist Party zurück. (Frank Herrmann/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2005)

Von Frank Herrmann aus London
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    Auch aus den eigenen Reihen schlägt Blair heftige Kritik entgegen.

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