José Gonzaléz: "Veneer"

    4. Oktober 2005, 12:36
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    Langsamer, stiller Folk-Pop an der Akustikgitarre und hauchzartes Songwriting

    Es ist wirklich, wirklich (und ich meine: wirklich) nicht einfach, eine José Gonzaléz-Rezension aufzutreiben, in der nicht die Nick Drake-Vergleichskarte gezückt wird.

    ... was natürlich nicht heißen soll, dass der Schwede mit argentinischen Wurzeln damit in schlechte Gesellschaft gerückt würde. In jedem Fall steht Gonzaléz für langsamen, stillen Folk-Pop an der Akustikgitarre: meist so sanft gezupft, dass jedes Umgreifen beim Hören förmlich mitzuspüren ist.

    Gonzaléz' Debüt-Single "Crosses" schaffte es überraschend auf Anhieb in die schwedischen Top Ten - ein nicht einmal drei Minuten langes Zusammenspiel von Stimme und Gitarre ohne jeden Schickschnack: fragil, eindringlich und in seiner Einfachheit wie ein Gegengift zur wuchtig produzierten Charts-Umgebung erscheinend. Als wäre es in einer Zeitkapsel aus einer früheren Songwriting-Ära aufbewahrt worden, in der Luft freigesetzt und immer noch wirksam.

    Das Können eines Songwriters zeigt sich aber nicht nur in seinen Eigenkompositionen, sondern auch in der Auswahl von Coverversionen und der Gabe, den Song-Kern eines Stücks, das aus einer völlig anderen musikalischen Welt stammen kann, herauszuschürfen. Auf "Veneer" gelingt dies mit "Heartbeats" - im Original ein plärrendes Kreischnis der schwedischen Elektro-PunkerInnen "The Knife" (bei Erscheinen ebenfalls Lieblingsplatte der Redaktion), bei Gonzaléz zur Totalreduktion heruntergefahren und so sanft klingend wie Wellen, die an einen Strand plätschern.

    Auch live schiebt der Göteborger gerne mal die eine oder andere Coverversion ein, ob sie nun von Joy Division stammt oder von Kylie Minogue. Womit nicht die Dancefloor-Großgöttin unserer Tage, sondern das hüpfende Teenie der 80er Jahre gemeint ist. - Egal, Gonzaléz schafft auch diese Umwandlung.

    ... und macht sich so nebenbei mal den Vorteil einer bereits geläufigen Melodie zunutze. Immerhin bietet der ein wenig scheue Mann an der Gitarre ein seiner Musik entsprechend schlichtes Live-Set, in dem ohne aufmotzende Show-Elemente allein die Konzentration auf Stimme und Gitarrenspiel fesseln: am kommenden Sonntag auch in Wien.
    (Josefson)

    José Gonzaléz: "Veneer" (Imperial Recordings/just50.at 2005)

    just50.at

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      foto: jonas jörneberg
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      coverfoto: imperial recordings
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