Nasser "Treibstoff Sehnsucht" bei Eröffnung

8. Mai 2005, 16:56
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Erstaunlich viele Besucher waren trotz des Wetters gekommen, um Omara Portuondo, Nina Hagen, Marianne Faithfull und Chaka Khan mitzuerleben

Wien - "Guten Abend, ganz Wien!" Das war zwar eine kleine Übertreibung der Moderatorin Nina Proll, doch trotz des nassen und kalten Wetters waren heute, Samstag, Abend, kaum weniger Besucher als in den vergangenen Jahren auf den Rathausplatz gekommen, um das traditionelle Eröffnungsfest der Wiener Festwochen mitzuerleben. Das Programm stand unter dem Motto "Treibstoff Sehnsucht" und war anhand von Videocollagen und Auftritten der Sängerinnen Omara Portuondo, Nina Hagen, Marianne Faithfull und Chaka Khan dem "weiblichen Weg in die Freiheit" gewidmet.

"Frauen gehören in die Kuchl." Mit diesem auf die Videowall eingeblendeten Zitat des Handballtrainers und Ministerin-Gatten Gunnar Prokop wurde der Abend begonnen, bei dem in vielfacher Weise der Gegenbeweis angetreten und gewürdigt wurde. Bürgermeister Michael Häupl (S) erinnerte an den auch im laufenden Gedenkjahr meist viel zu wenig bedachten weiblichen Beitrag der Wiederaufbauarbeit in Österreich, Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) daran, dass auch Künstlerinnen "den Mief der Nachkriegsära weggeblasen haben" und dass überhaupt die Kunst weiblich sei. Nina Proll nutzte die Gelegenheit, sich coram publico bei ihrer Mama zu bedanken und ihr "alles Gute zum morgigen Muttertag" zu wünschen.

Klangteppich

Im musikalischen Programm, zu dem das Wiener Sinfonie Orchester unter Johnny Bertl den Klangteppich beisteuerte, war der kubanischen "Buena Vista Social Club"-Legende Omara Portuondo eingangs nicht viel Möglichkeit gegeben, sich in die Herzen der Zuschauer zu singen. Danach zeigte Nina Hagen nicht nur viel Bein, sondern auch, dass sie noch immer ein Vollprofi ist, während Marianne Faithfull im schwarzen Hosenanzug eher daran erinnerte, dass ihr persönlicher "weiblicher Weg in die Freiheit" bereits einige Zeit her ist. Chaka Khan brachte mit "I'm Every Woman" das bereits reichlich unterkühlte Publikum endlich ein wenig zum Swingen, ehe John Lennons "Imagine" abschließend von den vier Damen gemeinsam gesungen wurde.

Bis 19. Juni stehen bei den Wiener Festwochen insgesamt 160 Vorstellungen von 37 Produktionen aus 22 Ländern auf dem Programm. Bereits am Sonntagabend gibt es nach Peter Brooks "Tierno Bokar" die nächste Schauspiel-Premiere: Im Wiener Südbahnhof zeigt der niederländische Regisseur Johan Simons ein Stück über Migration mit dem Titel "Fort Europa". (APA)

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