Schweizer Bundespräsident bedauert Zurückweisung von Flüchtlingen

10. Mai 2005, 15:04
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Schmid: Aufarbeitung der "schwierigen Kapitel" der Kriegsgeschichte

Bern - Die Schweiz habe ihre Freiheit im Zweiten Weltkrieg durch Selbstverteidigung bewahrt, erklärte Bundespräsident Samuel Schmid am Sonntag in seiner Radio- und Fernsehrede zum 60. Jahrestag des Kriegsendes. Aber erst in den letzten Jahren habe das Land auch die "schwierigen Kapitel" der Kriegsgeschichte aufgearbeitet. "So wäre es uns heute lieber, der Bundesrat (Regierung) hätte 1942 die Kompetenz nicht der Verwaltung delegiert, die Schweizer Grenze zu schließen". Es sei wahr, dass Hunderttausende Verfolgter in der Schweiz Aufnahme und Schutz gefunden hätten, "leider aber sind auch Tausende Flüchtlinge an unseren Grenzen abgewiesen worden", bedauerte der Präsident.

"Unsere Pflicht ist es, uns zu erinnern. Zur Erinnerung gehört die Liebe zur Wahrheit, gehört das Verständnis für eine andere Zeit und ihre Probleme, gehört die Suche nach den Ursachen und nach dem Sinn", sagte Samuel Schmid. Die Erinnerung an den 8. Mai 1945 sei für jeden Verpflichtung, neuen extremistischen und totalitären Bestrebungen und jeder Form von Antisemitismus oder Rassismus entschieden entgegenzutreten: "Diese dunklen Kapitel dürfen sich nie mehr wiederholen. Nie mehr!"

Nicht nur die von den Nazis überfallenen Völker und Staaten hätten einen hohen Preis bezahlen müssen. "Einen hohen Preis haben auch die Völker jener Staaten bezahlt, deren Führer den Weltkrieg ausgelöst haben. Die Toten haben den Anspruch an die Lebenden, dass wir sie nicht vergessen", unterstrich der schweizerische Bundespräsident. (APA/sda)

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