Europaweites Gedenken

8. Mai 2005, 19:10
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Waffenstillstand wurde am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr wirksam - Großer Andrang in Moskau - Schröder bittet um Vergebung

Maastricht/Paris/Wien - Europaweit wird am Sonntag des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren gedacht. Nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands war der Waffenstillstand für den 8. Mai 1945 23:01 festgesetzt. Der Krieg war nach fünf Jahren und neun Monaten und mehr als 50 Millionen Toten in Europa zu Ende. In Oberösterreich findet im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eine Gedenkkundgebung statt, an der unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer teilnimmt.

In den Niederlanden wird US-Präsident George W. Bush gemeinsam mit Königin Beatrix und Ministerpräsident Jan Peter Balkenende den Soldatenfriedhof Margraten nahe der deutschen Grenze besuchen. Dort sind mehr als 8.000 amerikanische GIs begraben. In Frankreich, wo der 8. Mai staatlicher Feiertag ist, wird Präsident Jacques Chirac Kränze am Grabmal des Unbekannten Soldaten am Pariser Triumphbogen (Arc de Triomphe) niederlegen. Auch in Prag und Preßburg sind am Sonntag Gedenkveranstaltungen geplant. Das zentrale Gedenken ist für den Montag in Moskau angesetzt, wo mehr als 50 Staats- und Regierungschefs erwartet werden.

Schröder bittet um Vergebung

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Bevölkerung der ehemaligen Sowjetunion um Vergebung gebeten. Mit 27 Millionen Toten habe kein anderes Land den Sieg über Hitler-Deutschland so teuer bezahlen müssen wie die damalige Sowjetunion, schrieb er am Wochenende in der russischen Zeitung "Komsomolskaja Prawda". "Auch heute bitten wir um Vergebung für das, was dem russischen Volk und den anderen Völkern von Deutschen in deutschem Namen zugefügt wurde."

Die Geste zeige: "Aus erbitterten Feinden sind Freunde und Partner geworden". Am Jahrestag des Kriegsendes solle auch ein Zeichen der europäischen Versöhnung gesetzt werden. "Wir wollen im Gedenken an die Grauen des Krieges den Willen unserer Völker bekräftigen, unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten."

Für Deutschland sei der Jahrestag vor allem ein Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur, schrieb Schröder. Für viele Menschen sei mit dem Datum aber auch die Erinnerung an Vertreibung, an die Teilung Deutschlands und Europas und an neue Unfreiheit verbunden.

Großer Andrang in Moskau Bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Moskau wird am Montag ein Großaufgebot an Staats- und Regierungschefs erwartet. Unter den Gästen sind auch die Vertreter früherer Kriegsgegner der Allierten; fast alle europäischen Staaten schicken Spitzenrepräsentanten nach Moskau. AFP nennt im Folgenden die wichtigsten Gäste:

Aus EU-Staaten kommen unter anderen Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Frankreichs Präsident Jacques Chirac, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski, der tschechische Staatschef Vaclav Klaus und der ungarische Präsident Ferenc Madl. Als einzige Vertreterin aus den baltischen Staaten wird die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga an den Feierlichkeiten teilnehmen.

Die USA werden von Präsident George W. Bush vertreten. Für China nimmt Präsident Hu Jintao teil. Aus Japan reist Ministerpräsident Junichiro Koizumi an. Indien wird durch Premierminister Manmohan Singh vertreten. Auch der israelische Präsident Mosche Katzav nimmt an den Feierlichkeiten teil, ebenso der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Aus den ehemaligen Sowjetrepubliken kommen unter anderen der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko, der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko und der usbekische Präsident Islam Karimow.

Für internationale Organisationen nehmen UN-Generalsekretär Kofi Annan, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und UNESCO-Generalsekretär Koichiro Matsuura an der Gedenkfeier teil.

Abwesend sind die Staatschefs von Estland und Litauen, Arnold Rüütel und Valdas Adamkus. Auch der georgische Präsident Michail Saakaschwili wird fehlen. (APA)

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    Russische Veteranen bei einer Gedenkfeier im Kreml

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