Lyon-Coach trat nach Titel zurück

15. Mai 2005, 00:01
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Mannschaft von Paul Le Guen siegte in Ajaccio und sicherte sich drei Runden vor Schluss Titelgewinn in der Premiere Division

Lyon - Trainer Paul Le Guen hat einen Tag nach dem Gewinn des französischen Fußball-Meistertitels mit Olympique Lyon seinen Abschied angekündigt. "Ich werde meinen Vertrag nicht verlängern", erklärte der 41-Jährige, dessen Kontrakt mit 30. Juni ausläuft. Als aussichtsreichste Nachfolger gelten Raynald Denoueix (früher Real Sociedad und Nantes), Lazlo Bölöni (Stade Rennes) und Claude Puel (Lille).

Zum vierten Mal in Folge hatte sich Olympique Lyon am Sonntagabend zum französischen Meister gekrönt. Ausschlaggebend dafür war der 2:1-Heimsieg gegen Ajaccio, wodurch der Champions League-Viertelfinalist schon drei Runden vor Schluss nicht mehr von der Spitze zu verdrängen ist.

Nach dem Schlusspfiff lagen einander die Lyon-Kicker in den Armen, ließen sich ausgiebig von den Fans im vollen Stade Gerlande feiern und genossen mit Zigarren und Champagner das Bad in der Menge. Dabei hatte sich der Meister gegen Ajaccio schwer getan. Dass dann ausgerechnet Cacapa mit seinem ersten Saisontor den 2:1-Sieg sicherte, hatte Symbolcharakter. Der Brasilianer ist einer von vier Spielern, der bei allen Lyon-Meisterfeiern dabei war und steht für die konstante Aufbauarbeit, die in den vergangenen Jahren geleistet wurde.

Denn Olympique Lyonnais ist kein alteingesessenes Spitzenteam, wie die jüngsten Erfolge vermuten lassen könnten. 1950 gegründet, musste der Klub bis 2002 auf den ersten Meistertitel warten. Seither ist OL in der Ligue 1 das Maß aller Dinge. Vier Meistertitel in Folge gelangen zuvor nur dem Erzrivalen und Nachbarn St. Etienne (1967-1970) und Olympique Marseille (1989-1992).

Dass Lyon diesen Rekord egalisierte, ist in zweierlei Hinsicht überraschend. Zum einen konnte OL nie auf den auch nur annähernd gleiche Fan-Unterstützung zählen wie die weitaus prestigereicheren und populäreren Vereine aus Marseille und St. Etienne. Zum anderen verfügte Lyon in seinen Meisterjahren nicht über einen herausragenden Akteur. St. Etienne hatte in den 60er Jahren mit Herve Revelli (dreifacher Torschützenkönig) genauso wie Marseille in den 90er Jahren mit Jean-Pierre Papin (vierfacher Torschützenkönig) überragende Figuren. In Lyon ist das Team der Star.

Nur der Brasilianer Juninho, der Franzose Sylvain Wiltord und Trainer Paul Le Guen haben einen gewissen Star-Status. Le Guen, der übrigens im Finale des Europacups der Cupsieger 1996 für Paris SG als Libero beim 1:0 gegen Rapid im Einsatz gewesen war, hat sich nach drei Meistertiteln en suite (beim ersten Lyoner Titel war Jacques Santini der Coach) in die Fußballgeschichte eingetragen: Nur die ehemaligen St. Etienne-Trainer Albert Batteux (1968-1970) und Robert Herbin (1974-1976) führten ihre Mannschaft auch zu drei Titeln in Serie. "Ich freue mich einfach nur für die Spieler. Sie waren ein großartiges Team und haben sich diesen Titel mehr als verdient", sagte der Erfolgscoach, dessen Verein in der "ewigen Bestenliste" noch deutlich hinter St. Etienne (10 Meistertitel) und Marseille (8) zurückliegt.

Le Guen gelang es, die gewichtigen Abgänge im Sommer - Müller, Edmilson, Dhorasso, Carriere und Luyindula verließen den Klub - zu kompensieren, und entgegen den Experten-Prognosen vor Saisonbeginn ohne große Probleme durchzusetzen. Lyon stand fast die ganze Saison an der Spitze und sicherte sich den Titel so früh wie keine Mannschaft seit Nantes 1977.

Angesichts der Dominanz im eigenen Land hat sich Lyon, mit einem Budget von rund 100 Millionen Euro der Krösus Frankreichs, in der kommenden Saison den Gewinn der Champions League zum Ziel gesetzt hat. "Wir werden weiter investieren. Dass das Champions-League-Finale im nächsten Jahr in St. Denis stattfindet, ist ein Zeichen", tönte Präsident Jean-Michel Aulas, der den Klub 1987 in der Zweitklassigkeit übernommen hatte. (APA/SIZ/Reuters)

Frankreich - 35. Runde:

  • Lille - Paris SG 1:0
  • Marseille - Caen 2:3
  • Rennes - Monaco 0:0
  • Nice - Nantes 0:0
  • Sochaux - Straßburg 1:2
  • Toulouse - St. Etienne 0:2
  • Bastia - Istres 2:0
  • Metz - Lens 1:1
  • Bordeaux - Auxerre 0:0

    Sonntag:

  • Lyon - Ajaccio 2:1
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      Französische Meister: Mickael Essien (links), Juninho (Mitte) und Mahamadou Diarra.

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      Le Guen lässt es bleiben - zumindest bei Lyon.

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