Belastungsprobe

28. November 2005, 10:38
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Die Geschäftsführung wird bei den Lohn-und Gehaltsverhandlungen mit Belegschaftsver­tretern auf dem Gaspedal rechnen müssen

Zuletzt haben die 4,5 Millionen Euro Entlohnung des Erste-Bank-Generals Andreas Treichl (bei einem Grundgehalt von 1,2 Millionen) so richtig Fahrt in das Thema gebracht.

Banken-Betriebsräte reagierten öffentlich lautstark sauer, Gewerkschaftsvertreter waren so heftig wie kaum jemals zuvor.

Nun kann Treichl mit der Erfolgsgeschichte der Erste Bank gut argumentieren, dass er verdient, was er erhalten hat. Gleichzeitig ist er aber in die europäische Spitzengagenliga aufgestiegen und muss sich gefallen lassen, dass seine Entlohnung "astronomisch" genannt wird.

Das ist aber nur ein Symptom. Heuer wird's insgesamt ungemütlicher. Dies angesichts eines 2005 wohl zu erwartenden Reallohnverlustes vor dem Hintergrund der moderaten Runden der vergangenen Jahre.

Ob die Wirtschaft nun tatsächlich 2,2 Prozent wachsen wird oder nicht: Der Boom der Wiener Börse erhöht den Wert der Aktienoptionen der Führungsteams. Exporterfolge und Früchte der Restrukturierung füttern den Reigen positiver Unternehmensnachrichten.

Und dies bei einer Inflationsprognose von heuer 2,5 Prozent bei durchschnittlichen Gehaltssteigerungen von knapp zwei Prozent. Die Lohnquote sinkt - im Konzert mit massiven Ausholzungen in den Unternehmensebenen dürften diese Ingredienzen heuer zu einer anderen Belastungsprobe im Betriebsklima führen.

Eigentlich ein günstiger Boden für die Sozialpartner, um breit angelegte Mitarbeiterbeteiligungsmodelle zu diskutieren, die wegführen von der schlichten Wirksamkeit: fein in guten Zeiten, schlecht in miesen Zeiten. (Der Standard, Printausgabe 7./8.5.2005)

Von Karin Bauer
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