Gravierende Verstöße bei Mannesmann-Übernahme

20. Mai 2005, 16:43
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"Tatbestand der Untreue durchaus erfüllt"

Berlin - Bei den Millionen-Abfindungen im Zusammenhang mit der Übernahme Mannesmanns durch den britischen Telekommunikationsriesen Vodafone liegen aus Sicht des deutschen Generalbundesanwaltes strafrechtlich gravierende Verstöße vor. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete am Samstag vorab unter Berufung auf die 55-seitige Begründung zur Aufhebung der Freisprüche für die ehemaligen sechs Angeklagten im Untreue-Prozess um die Abfindungen, die Bundesanwaltschaft gehe davon aus, dass etwa die 30-Millionen-Mark Sonderprämie für den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser allein im Interesse des Zahlungsempfängers gewesen sei.

Um Investitionen im Interesse von Mannesmann, wie von den Verteidigern behauptet, handle es sich bei den Geldzuwendungen nicht. Außerdem wäre es Pflicht der Angeklagten gewesen, nach Zweifeln der Wirtschaftsprüfer von KPMG an der Rechtmäßigkeit der Zahlungen diese auszusetzen. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft hätten die Angeklagten ihre so genannte Vermögensbetreuungspflicht gravierend verletzt. Damit werde der Tatbestand der Untreue durchaus erfüllt.

Das Magazin berichtet, die Ankläger sähen beachtliche Mängel und Widersprüche in der Beweiswürdigung des Düsseldorfer Landgerichts, die zu den Freisprüchen geführt habe. Statt einer Gesamteinordnung hätte es die zuständige Kammer des Landgerichts bei einer ausschnittsweisen Betrachtung belassen.

Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone waren rund 57 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen gezahlt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar 2003 nach einem zweijährigen Ermittlungsverfahren Anklage gegen Esser und andere Spitzen-Manager wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Zusammenhang mit der Übernahme Mannesmanns durch Vodafone erhoben. Im anschließenden Prozess waren alle sechs Angeklagten vom Vorwurf der Untreue freigesprochen worden. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Berufung beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eingelegt. Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte sich dem angeschlossen. Der BGH will noch in diesem Jahr über die Revision entscheiden. (APA/Reuters)

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