Kärntner SPÖ gedenkt der Befreiung

15. Mai 2005, 11:03
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Ambrozy fordert: Niemals vergessen - Machtwechsel 1945 erfolgte auf dem Verhandlungsweg

Klagenfurt - Mit einer Gedenkfeier gedachte die Kärntner SPÖ am Samstag der Befreiung des Landes vor 60 Jahren. Parteichef LHStv. Peter Ambrozy erklärte, es dürfe niemals vergessen werden, was Menschen "im Wahn des Nationalsozialismus" anderen angetan hätten.

Niemand bestreite, dass der 7. Mai für Kärnten Tag der Befreiung gewesen sei, der Befreiung von Krieg und Diktatur, sagte Ambrozy in Klagenfurt. Zugleich müsse es aber auch ein Tag des Gedenkens bleiben. Ambrozy unterstrich, dass speziell vor dem Hintergrund der "braunen Rülpser", die es in den vergangenen Wochen in Österreich gegeben hätte, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte unerlässlich sei.

Der Gewerkschafter Hans Pawlik, 1945 nach Kriegsende ein Funktionär der ersten Stunde, der sich am Wiederaufbau des Landes beteiligt hatte, rief dazu auf, jener Freunde und Genossen zu gedenken, die "in Dachau und in Theresienstadt geblieben sind".

In einem Festvortrag analysierte der Historiker Hellwig Valentin "Kärntens Aufbruch zur Demokratie", der ein wenig anders ablief als im übrigen Österreich. Der Machtwechsel erfolgte auf dem Verhandlungsweg und nicht mit Gewalt. Gauhauptmann Meinrad Natmeßnig, am 1. Mai 1945 von Gauleiter Friedrich Rainer zum Regierungspräsidenten ernannt, rief am 5. Mai die Vertreter des Widerstands und der "alten politischen Parteien" ins Landhaus. Zweck der Besprechung: Ein friedlicher Machtwechsel.

Gemeinsam wurde der Reichsstatthalter zum Rücktritt aufgefordert, doch Rainer lehnte vorerst ab. Am 6. Mai einigten sich die Parteien über die Zusammensetzung der provisorischen Landesregierung, die Sozialdemokraten nominierten den ehemaligen Villacher Bürgermeister Hans Piesch als Landeshauptmann. Am 7. Mai trat der Gauleiter zurück, die provisorische Landesregierung übernahm die Amtsgeschäfte.

Am gleichen Tag marschierten die Briten im Land ein, die neue Regierung forderte den Wehrmachtskommandanten Kärntens auf, den britischen Truppen "keinen aktiven Widerstand" entgegenzusetzen. Knapp nach den Briten trafen auch die jugoslawischen Truppen von Marschall Tito in Klagenfurt ein, mussten sich aber eine Woche später unter dem Druck der Sowjets aus Kärnten zurückziehen. (APA)

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