Klare Absagen an Ewiggestrige

15. Mai 2005, 11:03
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Bundespräsident Fischer in Hartheim: "Es gibt nichts zu relativieren" - Pühringer verurteilte "schlampigen Umgang" mit der Geschichte

Linz - Bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten im Schloss Hartheim in Alkoven in Oberösterreich hat das offizielle Österreich am Samstag klare Absagen an Ewiggestrige erteilt. Bundespräsident Heinz Fischer stellte unter anderem fest: "Es gibt nichts zu relativieren". Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (V) verurteilte den "schlampigen Umgang" mit der Geschichte.

Der Bundespräsident erinnerte einleitend daran, dass in Hartheim zwischen 1940 und 1944 nahezu 30.000 behinderte und kranke Menschen sowie arbeitsunfähige KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter - die von Nazis als "lebensunwert" eingestuft worden waren - ermordet wurden. Monate vor Kriegsende sei versucht worden, die Spuren des Massenmordes und der Schande und der Schuld zu tilgen. Das sei aber nicht gelungen.

"Es gibt nichts zu relativieren"

Fischer hielt fest, es herrsche Klarheit darüber, was in Hartheim verübt worden sei: "Es gibt nichts zu relativieren, zu beschönigen und heute auch nichts mehr, was erforscht werden muss". Er erinnerte auch an jene, die sich - aus einer anfangs aussichtslosen Position heraus - dem Morden entgegengestellt hätten und ihren Widerstand oft mit dem Leben bezahlen mussten.

Als Konsequenz aus der Geschichte sei zu ziehen, dass die Solidarität mit Randgruppen ein fester Bestandteil der Gesellschaft sein müsse. Das "Recht des Stärkeren" sei kein Recht. Recht sei nur, wenn die Menschenrechte real eingehalten würden. Auch die Rechte der Minderheiten müssten eingehalten werden und der Umgang mit ihnen sei Ausdruck der Qualität einer Gesellschaft.

Die Geschehnisse in Hartheim seien vergangen, dürften aber nicht vergessen werden - auch in Zukunft nicht. Sie würden auch eine unabweisbare Mahnung enthalten, wie groß und wichtig die Befreiung 1945 gewesen sei und welche große Chance und Verantwortung sie nach wie vor sei. Dabei sollte auch nichts verkleinert werden, was in den vergangenen Jahrzehnten gelungen sei: Die EU sei eine Zone, in der das demokratische System - bei allen Schwächen und Unzulänglichkeiten - praktiziert werde. Das sei das Vermächtnis aus den Verbrechen und dem Unglück der Vergangenheit.

Pühringer: "Lernen aus der Vergangenheit"

Landeshauptmann Pühringer stellte fest, es gehe nicht darum, die Vergangenheit zu bewältigen. Das könne man nicht mehr. Vielmehr sei es notwendig, aus der Vergangenheit zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das sei auch die Aufgabe des Lern- und Gedenkortes, zu dem das Schloss Hartheim mit großem finanziellen Aufwand gemacht worden sei. Er verurteilte den "schlampigen Umgang" mit der Geschichte. Der Landeshauptmann forderte eine "anständige und ordentliche Aufarbeitung der Geschichte, ohne Überblättern oder Auslassen dunkler Kapitel". Er stellte fest: "Wer heute noch bestimmten alten Zeiten nachtrauert und nicht weiß, welches persönliche Leid Gaskammern angerichtet haben, hat am politischen Parkett der Jetztzeit nicht verloren". (APA)

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    Das ehemalige Konzentrations-Lager Mauthausen in Oberösterreich.

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