700.000 Immigranten legalisiert

23. Mai 2005, 21:54
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EU-Innenminister befürchten Abwanderung - Riesiger Andrang vor den Behörden

Das größte Legalisierungsverfahren in der Geschichte der EU wird rund 700.000 illegalen Immigranten in Spanien die gefragte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung bringen. Arbeitsminister Jesús Caldera sprach von einer "erfolgreichen Aktion", die 90 Prozent der Schattenwirtschaft ans Licht gebracht habe. Mehrere EU-Innenminister kritisierten das einseitige und "großzügige" Vorgehen Spaniens, weil sie befürchten, dass ein Teil der legalisierten Ausländer in andere Schengen-Länder abwandern könnte.

Die sozialistische Regierung hatte sich angesichts der wachsenden Zahl von Einwandern, die nur als Schwarzarbeiter Beschäftigung fanden, zu einem ungewöhnlichen Angebot durchgerungen: der Nachweis eines nur achtmonatigen Aufenthaltes, das Angebot auf einen bezahlten Posten und ein Führungszeugnis genügten, um das Aufnahmeverfahren in Anspruch nehmen zu können. In keinem anderen europäischen Land war es so leicht, zu den begehrten Papieren zu gelangen.

Die konservative Opposition spricht von einem leichtsinnigen Vorgehen der Regierung Zapatero, das als "Lockruf" gewirkt und die Zahl der unzulässigen Grenzübertritte während des dreimonatigen Prozesses vervielfacht habe.

Nicht nur an der EU-Außengrenze zu Nordafrika wurde ein verstärkter Verkehr von Flüchtlingsbooten aus Nordafrika verzeichnet; an den Grenzübertritten zu Frankreich seien Autobusse mit Reisenden aus Osteuropa gestoppt worden, die das außerordentliche Verfahren ausnutzen wollten.

Die in ihrer Mehrzahl aus Ecuador, Rumänien und Marokko stammenden Immigranten, die in den nächsten Wochen ihre Ausweise erhalten und als Beitragszahler in den Statistiken der Sozialversicherungen aufscheinen werden, könnten Schätzungen zufolge rund 400.000 Familienmitglieder aus deren Ursprungsländern nachfolgen. Die Zahl der Abgewiesenen wird von der Regierung mit 150.000 beziffert. Staatssekretärin Consuelo Rumí empfahl ihnen, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren und dort einen Antrag auf Einreisegenehmigung zu stellen. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2005)

Von Josef Manola aus Madrid
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    Immigranten ohne Bleiberecht warten im südspanischen Almeria vor den Büros der Sozialversicherung

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