"Gehaltsmacht liegt bei den marktrelevanten Bereichen"

24. Mai 2005, 18:06
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Ungeachtet der sinkenden Lohnquote und der Inflation könn­ten die Steigerungen im Angestelltenbereich 2006 dürftiger ausfallen, meint Gehaltsexperte Bruno Gangel

Angesichts der Entwicklung der Inflation mit zuletzt 2,9 Prozent müssen sich Österreichs Arbeitnehmer heuer wohl tendenziell erneut auf einen Reallohnverlust einstellen. Dies zusätzlich zur Tatsache einer andauernd sinkenden Lohnquote.

Das sind gute Argumente für Belegschaftsvertreter in den kommenden Verhandlungen für 2006: Verglichen mit dem Produktivitätswachstum bleiben die Entgelte zurück, Arbeitnehmer erhalten tendenziell immer weniger von den erwirtschafteten Ressourcen. Das hat die Unternehmen und somit die Wettbewerbskraft gestärkt. Kein Wunder, dass die Experten des Instituts für höhere Studien (IHS) im Gespräch mit dem STANDARD "nicht vom Bedarf besonderer Zurückhaltung bei den Kollektivvertragsverhandlungen" ausgehen. Das Wifo gibt angesichts der Inflation niedrigen Lohnrunden wenig Chance.

Gehaltsexperte sieht auch Gegenargumente

Gehaltsexperte Bruno Gangel, der sich nach einer Karriere beim Beratungsunternehmen Neumann selbstständig gemacht hat und dieser Tage sein mittlerweile sechstes bundesweites Gehaltshandbuch vorlegt, sieht dennoch Argumente für "die andere Seite": Controller könnten gegenüber den Personalisten argumentieren, dass es für Angestellte und ihre Ist-Gehälter "weniger zu verteilen" gebe.

Er betrachtet dabei die Gesamtlandschaft der heimischen Gehälter und geht von der Perspektive der Gehaltssumme aus. Solcherart hätten in den vergangenen fünf Jahren kumuliert die Zuwächse bei den Gehältern das (reale) Wirtschaftswachstum übertroffen. Möglich, so Gangel, dass die Gehälter 2006 nominell doch nur rund ein Prozent wachsen. Jedenfalls liege die Gehaltsmacht 2006 bei "den unmittelbar marktrelevanten Bereichen", im Vertrieb, im Marketing, aber auch im Rechnungswesen. (kbau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.5.2005)

  • Gehaltsexperte Bruno Gangel
    foto: standard/fischer

    Gehaltsexperte Bruno Gangel

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