OeNB-Keule gegen die Steinzeit

20. Mai 2005, 16:43
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Die Notenbank bekämpft die neue Familie-Feuerstein-Werbelinie von Visa Austria, diese will davon nicht abrücken

Wien - Dicke Luft zwischen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und dem Kreditkartenunternehmen Visa Austria: Die neue Visa-Werbelinie, erdacht von der Agentur BBDO, missfällt den Notbankern dermaßen, dass sie dem Vorstand bereits mit zwei bitterbösen Briefen auf die Zehen getreten sind.

Stein des Anstoßes, im Wortsinne: Visa Austria bewirbt die Zahlung per Kreditkarte mit dem Slogan: "Bargeld ist Steinzeit". Werbeträger sind, aus dieser Sicht nahe liegend, die Mitglieder der Familie Feuerstein.

"Pauschale Herabsetzung nicht angebracht"

Doch die Notenbanker finden den "humoristischen Gag über die Bargeldzahler" (Visa-Chef Helmut Nahlik) gar nicht komisch. Angesichts der "weiterhin ungebrochenen Nachfrage nach Bargeld ist eine derartig pauschale Herabsetzung des Bargeldes nicht angebracht", schrieb die OeNB den Visa-Chefs. In Österreich würden immer noch "über 70 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld getätigt", Barzahlen sei also "keinesfalls steinzeitlich". Kurz und gut, "die OeNB wird Ihre Webelinie in Zukunft mit besonderem Interesse beobachten".

Eine Watchlist-Entscheidung, die man bei Visa Austria nicht versteht. Es sei doch "im Interesse aller österreichischen Banken, den bargeldlosen Zahlungsverkehr aus Kostengründen zu forcieren. Eigentlich müsste dies auch ein Anliegen der OeNB als Haupteigentümer der Firma APSS (zuständig für die Bankomaten-Abrechnung, Anm.) und als Alleineigentümerin der Firma Austria Card (erzeugt Bankkarten, Anm.) sein.", konterten die Gescholtenen. Die Österreicher hätten "enormen Aufholbedarf" beim bargeldlosen Zahlen, das mit "enorm hohen Kosten für alle Beteiligten verbunden sei".

Visa bleibt auf Linie

Wasser auf die Mühlen der erbosten Notenbanker - und Stoff für ihren postwendend abgesandten, zweiten Brief: "Was, wenn nicht die Kosten, spricht . . . gegen die häufigere Nutzung der Kreditkarte?", heißt es darin. Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr sei die Kostenstruktur in Österreich "vergleichsweise ungünstig"; die Disagiosätze lägen immer noch bei 2,7 Prozent, Gebühren gar nicht eingerechnet. Die OeNB sei "überzeugt, dass der Adressat Ihrer Werbelinie . . . statt der Herabsetzung des Bargeldes eine Initiative zur Verbesserung im unbaren Bereich erwartet." Den Hintergrund zum Keulenschlag-Abtausch liefert ein Notenbanker: "Wir wollten den Zahlungsverkehr effizienter machen, unser Bemühen um eine Bankenkooperation ist an deren Streitereien gescheitert."

Visa-Chef Nahlik ist unbeirrt: "Wir bleiben bei unserer Werbelinie. Will uns die Notenbank die verbieten, so wird das ein Rechtsfall." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.5.2005)

  • Die Feuersteins erhitzen die Gemüter in der Nationalbank.
    bild: visa.at

    Die Feuersteins erhitzen die Gemüter in der Nationalbank.

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