Onlinewelt in "Tabs"

9. Mai 2005, 10:40
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Zu den Programmen am PC, die Tag für Tag (und in vielen Nächten) am häufigsten verwendet werden, zählt der Browser - der Gatekeeper in die Onlinewelt, bei der überwiegenden Zahl der Benutzer seit Jahren der Internet Explorer.

Doch obwohl sich unser Internetgebrauch dramatisch erhöht und verändert hat, ist der Explorer vor vielen Jahren stehen geblieben und wurde von Microsoft nicht weiterentwickelt. Aber es gibt seit längerem Alternativen, und Firefox hat sich inzwischen als stabiler und besserer Browser etabliert (www. mozilla. org). Entwickelt wurde Firefox von der Open Source Community, quasi eine internationale Software-Freiwilligentruppe.

Was bringt Firefox beim täglichen Internetgebrauch? Zum einen schützt Firefox besser als der Explorer vor böswilligen Zeitgenossen, da es eine "ActiveX" genannte Funktion nicht verwendet, die von Hackern missbraucht werden kann.

Zum anderen hat es eine Reihe neuer, sehr brauchbarer Funktionen. Die beiden wichtigsten: "Tabs" anstatt einer Vielzahl von Fenstern, um mehrere Websites parallel besuchen zu können, und die Möglichkeit Neuigkeiten mit Hilfe einer RSS genannten Technik abonnieren zu können.

Für "Tabs" gibt es zumindest bis auf weiteres noch kein deutsches Wort - nebenbei ein Nachteil von Firefox, der derzeit nur Englisch spricht. Tabs sind die von Amazon und anderen Websites vertrauten "Reiter" (so nennt man das bei Hängeordnern) am oberen Seitenende, die man anklicken kann um zwischen Seiten zu wechseln - ähnlich den Menüpunkten in Programmen und Einstellungen.

Statt wie im Explorer mehrere Fenster aufzumachen, wenn man gleichzeitig mehrere Sites verwenden will, erhält jede Homepage ihr eigenes Register in ein und dem selben Fenster - das erhöht die Übersichtlichkeit am Bildschirm. Mein Tagesablauf zum Beispiel beginnt meist mit der Lektüre mehrerer Zeitungen - ein Klick auf die entsprechende Lesezeichengruppe und alle Seiten öffnen sich gleichzeitig. So können sie während des Tages auch offen bleiben, um Aktualisierungen leichter verfolgen zu können. Zusammengehörige Seiten kann man so zu Gruppen zusammenfassen, die mit einem einzigen Klick aufgerufen werden.

Übersichtlichkeit wird auch durch RSS ("Real Simple Syndication") erleichtert, eine Art Abo-System, das viele Websites anbieten. Seiten mit RSS sind durch ein Symbol kenntlich, das man in ein Lesezeichen verwandeln kann - allerdings zeigt dieses Lesezeichen in Zukunft immer nur alle neuen Überschriften an, die man dann gezielt öffnen kann, wenn man an einer Geschichte Interesse hat. So spart man sich, laufend viele Websites abzuklappern um auf Neuzugänge zu kontrollieren: In der Überschriftenliste kann man dies sofort erkennen.

Es gibt auch einige Nachteile von Firefox: Manche für den Explorer optimierten Seiten werden nicht gut dargestellt; und es kann Schwierigkeiten bei der Anzeige von PDF-Dateien im Browser geben. In diesem Fall kann man aber leicht auf den Explorer zurückgreifen. Aber in Summe ist der Firefox eine gute Weiterentwicklung, die einem das Onlineleben um einiges leichter macht.
helmut.spudich@derStandard.at
(Der Standard, Printausgabe 7./8.5.2005)

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