Konservative auf Kandidatensuche

9. Mai 2005, 19:07
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Hektische Bemühungen noch ohne Erfolg - Kandidatur von Ex-Präsident Rafsandjani noch unklar

Drei Tage vor dem Ende der Anmeldefrist für die Präsidentschaftskandidaten am Dienstag im Iran steht immer noch nicht fest, wer endgültig für die Konservativen ins Rennen geht und ob Hashemi Rafsandjani trotz aller Bedenken der Ultrakonservativen doch noch kandidiert. "Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als diese bittere Pille zu schlucken", meinte Rafsandjani bei einem Seminar letzte Woche auf die Frage, ob er doch noch kandidieren werde.

Akbar Mohtashemi, ein früherer Weggefährte Rafsandjanis und nun Sprecher des liberalen Kandidaten Mehdi Karrubi, kritisierte die Haltung Rafsandjanis und meinte, "die politischen Fossilien gehören ins Museum". Die Ultrakonservativen empfahlen Rafsandjani, von einer Kandidatur Abstand zu nehmen, wenn er dies wirklich als eine "bittere Pille" empfinde.

"Nur die Frage, ob Rafsandjani kandidiert oder nicht, macht die Wahlen am 17. Juni spannend. Sonst ist von einer Wahleuphorie wie bei den früheren Wahlen nichts zu merken. Während auf der politischen Bühne alles in Bewegung geraten ist, scheint in der Gesellschaft ein bedeutungsvolles Schweigen zu herrschen", schreibt die liberale Zeitung Sharg. Und die konservative Keyhan meint, "nur eine hohe Wahlbeteiligung und ein Sieg der Neokonservativen im Iran kann die Bedrohung durch die Neokonservativen in Washington neutralisieren".

Mutiger Schritt

Die Bemühungen der Konservativen, doch noch einen Einheitskandidaten vorzustellen, tritt inzwischen in eine entscheidende Phase, nachdem drei hochrangige Ayatollahs sich eingeschaltet haben, die ihnen zur Erreichung dieses Ziels unter die Arme greifen wollen. Einen Erfolg konnten sie schon erzielen: Der Parlamentsabgeordnete Ahmad Tawakoli, einer der größten Hoffnungsträger der Rechten, hat auf seine Kandidatur verzichtet. Dieser Schritt wurde von fast allen Zeitungen als ein mutiger Schritt begrüßt.

Dennoch deutet derzeit alles auf eine Spaltung in der Reihe der Konservativen hin, denen nun langsam auch die Zeit davonläuft. Der endgültige Kampf um die Kandidatur in ihrem Lager wird wohl zwischen Ali Ardashir Larijani, dem ehemaligen Chef des iranischen Fernsehens und Kulturminister unter Rafsandjani, und der jungen rechten Garde ausgefochten werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.5.2005)

Amir Loghmany aus Teheran drei Tage vor Ende der Anmeldefrist für Präsidentschafts­kandidaten
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