Schrott-Ikonen

12. Juli 2005, 15:30
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Die Rückstufung der Anleihen von General Motors und Ford wird verheerende Auswirkungen haben

Die Anleihen von General Motors und Ford sind auf das Niveau von Entwicklungsländern zurückgestuft worden: Sie sind nur noch "Junk", im Branchenjargon also so etwas wie Schrott. Wer den Unternehmen Geld leiht, kann nicht mehr sicher sein, es zurückzubekommen.

Die Auswirkungen sind verheerend: Die bereits maroden Unternehmen kostet das noch deutlich höhere Zinsen. Und der weltweite Anleihenmarkt rotiert: Die betroffene Gesamtverschuldung von General Motors beträgt lockere 350 Milliarden Dollar, die von Ford rund 170 Milliarden. Für unzählige, auch in Österreich zugelassene Anleihenfonds bedeutet dies herbe Verluste. Und viele Fonds dürfen "Schrott"-Anleihen gar nicht halten: Sie müssen verkaufen, koste es, was es wolle. Das ist bei einem Volumen, das zusammen bald das Achtfache des Bundesbudgets Österreichs erreicht, vielleicht doch ein wenig schwierig.

Prototypen der "Old Economy" in der Krise

Doch noch gravierender ist das Signal an die Außenwelt: Ikonen der US-Wirtschaft, Synonyme für Stabilität und Vertrauen, Prototypen der "Old Economy" sind von Krise und Globalisierung nicht gefeit. Wer noch nicht verunsichert war, ist es nun.

Es sind vor allem die Kosten aus der Vergangenheit, die den US-Autoherstellern zu schaffen machen. General Motors kostet der Stahl für ein Auto im Schnitt 900 Dollar - aber das gleiche Fahrzeug ist mit Pensions- und Sozialkosten von 2300 Dollar belastet. Ähnliche Zustände herrschen bei Ford.

Dass hier gegen japanische und koreanische Hersteller kaum mehr ein Blumentopf zu gewinnen ist und die US-Fahrzeuge in Europa durch den hohen Benzinverbrauch kaum verkauft werden, ist schon länger bekannt, wurde aber auf die lange Bank geschoben. Kommt es nun zu einer Pleite, werden aber nicht nur die USA den Schrottstatus spüren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.5.2005)

Von Michael Moravec
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