Gefährliche Drohung

12. Juli 2005, 15:30
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Sinnlose Prestigeprojekte sichern Wählerstimmen, verlagern aber nicht den Gütertransport auf die Schiene

Zweitausendzweihundert Millionen Euro sind kein Klacks. Diesen unvorstellbar hohen Betrag haben Laster, Autobusse und Personenkraftwagen von 1997 bis 2004 bezahlt, um auf Brenner- und Inntalautobahn, Arlbergschnellstraße und durch den Arlbergtunnel fahren zu dürfen.

Dass dieses Geld nicht allein in den beiden westlichsten Bundesländern, sondern auch weiter im Osten, etwa für Autobahnen im Burgenland, die Pyhrnstrecke oder den Lückenschluss im Osten ausgegeben wurde, stört die Mander im "heiligen Land" schon lang. Ein wahrer Geldregen könnte niedergehen, wäre da nicht der Wasserkopf Wien, der auch noch Straßen zu den EU-Nachbarn baut. Im Tunnelloch unter dem Brenner wäre es mit Sicherheit viel, viel besser angelegt.

Den Batzen Geld vor Augen, von dem den Tirolern nur Lärm und Gestank der dicken Brummer bleiben, liegt es natürlich nahe, nach Föderalismus zu rufen. Das tun sie nun und verlangen die "Verländerung" der unsympathischen Asfinag.

Prestigeprojekte

Sinnloses von Bund und Bundeskanzler herauszupressen, ist derzeit modern: Die Koralmbahn samt Tunnel wird (aus-)gebaut, weil sie zwar nicht die ÖBB, dafür aber der (mit dem Porsche fahrende) Kärntner Landeshauptmann dringend braucht. Im Semmering wird nicht an der alten Röhre weitergeschaufelt, sondern eine millionenschwere neue geplant, damit Niederösterreichs Landeshauptmann das Gesicht nicht verliert.

All diese Prestigeprojekte haben eines gemeinsam: Sie sichern Wählerstimmen, verlagern aber nicht den Gütertransport auf die Schiene. Allenfalls könnte man sie als arbeitsmarktpolitische Maßnahmen durchgehen lassen. Daraus abzuleiten, dass nach Bundesstraßen und Nebenbahnen gleich die ganze Verkehrspolitik "verländert" wird, ist eine gefährliche Drohung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.5.2005)

Von Luise Ungerboeck
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