Neues Paar und doch ein alter Hut

7. Mai 2005, 11:51
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Die Austria und Stronach wurden wieder tätig, man tauschte das Betreuerduo Kron­steiner/Söndergaard gegen Stöger/Schinkels

Wien - Auf die Wiener Austria ist Verlass. Am Freitag, am Tag nach dem abgebrochenen 0:3 gegen den GAK, wurde das Betreuerduo Günter Kronsteiner/ Lars Söndergaard getrennt, abgesetzt, geschasst oder was auch immer. Peter Stöger und Frenkie Schinkels, bisher Sportchef der Amateure beziehungsweise Scout, übernehmen das Traineramt (die sportliche Führung), sie sind Generalmanager Toni Polster unterstellt, die Lizenz hat Schinkels. Kronsteiner bleibt beim Verein, er ist für die Transfers zuständig, über Neuverpflichtungen muss jedoch mehrheitlich entschieden werden. Söndergaard ist das, was man salopp Bauernopfer nennt. Stöger: "Es war nicht meine Intention, aber Frank Stronach will es so."

So einfach war das Prozedere natürlich nicht, schließlich weilt Oberboss Stronach in Kanada. Es wurde also, der Zeitverschiebung zum Trotze, telefoniert und telefoniert, bei der Austria ist nämlich maximal der morgendliche Klogang ohne Zustimmung von ganz oben gestattet. Polster: "Wir haben geredet und getagt, uns die Köpfe zerbrochen." Stronach kommt am 21. Mai nach Wien, dann werden die Details geklärt.

Polster mit dem Versuch einer Erklärung: "Die Trainer haben zwei Jahre die Chance gehabt. Sie haben es nicht geschafft." Natürlich gehe es bei der Austria ein wenig chaotisch zu, er habe nie und nimmer gedacht, "dass so viel passiert und die Entscheidungsfindung ein so großes Problem ist." Er selbst sei zwar mit Kompetenzen ausgestattet, "aber ich kann sie in diesem System nicht umsetzen." Einerseits verstehe er Stronachs Misstrauen, "weil er schon oft enttäuscht wurde. Anderseits geht alles nur sehr zäh voran, weil er oft weg ist. Auch ich muss meine Rolle in Frage stellen." Und, Polster meint es weder zynisch noch ironisch: "Wir müssen Ruhe bewahren, an einem Strang ziehen."

Bei der Austria ist man so nebenbei über den von aufs Feld laufenden Fans verursachten Abbruch entsetzt, Manager Markus Kraetschmer wurde offiziell: "Ich möchte mich in aller Form beim GAK, den TV-Zuschauern und den restlichen Fans entschuldigen. Das war einer Meisterschaftsentscheidung unwürdig." Die Bundesliga wird am Montag das Resultat beglaubigen oder das Match strafverifizieren (kommt aufs selbe raus), die Austria bekommt eine saftige Geldstrafe aufgebrummt, eine Platzsperre, sogar Geisterspiele sind nicht auszuschließen. Der Bundesliga-Präsident Stronach kann zum Mäzen Stronach nämlich ganz schön streng sein.

Thomas Fellinger, der Fan-Beauftragte der Austria, meinte, es habe sich um keine geplante Aktion gehandelt: "Es lag am schlechten Spiel und am Frust über das mediale Geplänkel zwischen Kronsteiner und Polster. Das stößt den Leuten sauer auf. Bis zu einem gewissen Grad war die Aktion verständlich. Dass die Leute danach den Weg zurück auf ihre Plätze nicht mehr gefunden haben, verurteile ich jedoch. Es wird Anzeigen und Stadionverbote geben."

Das Kopfschütteln

Austria-Kapitän Ernst Dospel war gar nicht so sehr überrascht: "Es hat sich abgezeichnet, der große Knall war vorprogrammiert." Er, Dospel, habe mit seinen Kollegen gesprochen. "Viele haben für große Vereine gespielt. Sie schütteln nur den Kopf - nicht wegen des GAK-Spiels, sondern aufgrund der Gesamt-Situation. Sie alle haben so etwas noch nie erlebt und sie wollen so etwas auch nicht mehr erleben."

Am Sonntag erlebt der GAK die Austria erneut. Im Schwarzenegger-Stadion. Die Partie wurde von der Liga als "Risikospiel" eingestuft. Wie eigentlich jede der Austria. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 7./8.05.2005)

  • Das neue Trainerduo der Austria: Peter Stöger und Frenkie Schinkels
    montage:derstandard.at

    Das neue Trainerduo der Austria: Peter Stöger und Frenkie Schinkels

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