Workaholischer Beginn einer "unendlichen Geschichte"

14. Juli 2005, 14:11
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Nach dem Studiengang direkt in die Chefetage: Erstmals haben in Österreich FH-Studenten ein Unternehmen gegründet und bieten Beratung in Sachen Marketing und PR

Dieses Methode kommt in Lehrplänen kaum vor: Klinkenputzen bei potenziellen Kunden. Einige ehrgeizige junge Menschen beschäftigen sich trotzdem mit besagter Basisstufe des realen Geschäftslebens: Es sind jene Macher, die in Österreich für eine Premiere sorgen konnten. Erstmals haben sich vier Studenten einer Fachhochschule auf das glatte Gründerparkett gewagt. Das Resultat heißt StuCon Junior Enterprise. "Am Jobmarkt wird Erfahrung verlangt. Wir wollen so Praxis sammeln", erklärt Geschäftsführer Michael Bauer.

Plan im Dschungel

Von der Kreativität eines zwölfköpfigen Teams sollen all jene profitieren, die nicht planlos im Mediendschungel herumstolpern wollen. Die Jungunternehmer von der IMC Fachhochschule Krems bieten ihnen Beratung für Marketing sowie PR. Wer dann wissen will, ob Kids Produkte "ursuper" finden, ist ebenso an der richtigen Adresse wie Manager, die das Firmenimage bei Skatern und Co. aufpolieren müssen: Der Schwerpunkt liegt bei Aktivitäten für Youngster - kein Wunder, wenn der älteste Neoconsulter 26 Jahre ist. Hier darf der Auftraggeber einen authentischen Background erwarten. Diesen sollen primär Mittelständler nützen, die fachliche Tipps benötigen, doch angesichts stattlicher Honorare von renommierten Spezialisten in de Regel abwinken. KMUs können Kompetenz hier zu Diskontpreisen kaufen: Für 20 bis 30 Euro pro Stunde lassen Studenten ihre Köpfe rauchen.

Da Geld bekanntlich nicht alles ist, sollte auch die Motivationsleistung abseits des Mammons stimmen. Schließlich brechen nicht alle Bosse gleich in Jubel aus, bloß weil engagierte Newcomer vorbeischauen. "Es gibt schon Vorurteile, ob wir das tatsächlich können", räumt Bauer ein. "Daher muss jeder überzeugend auftreten und klar machen, dass diese Idee gut ist."

Plötzlich wird nicht mehr theoretisch über Big Business geredet, sondern Klartext. Mit Entscheidern, die abwinken oder Aufträge erteilen. Wie ein holländisches Immobilienunternehmen, dessen Homepage jetzt optimiert wird. Mit einem Weingut befindet man sich noch in Verhandlungen. Solche ersten Anzeichen von Akzeptanz steigern die betriebswirtschaftliche Courage. Schließlich ist auch Selbstbewusstsein gefragt. Mit der Zeit steigert sich die Routine, neue Chancen tauchen auf, das Kontaktnetzwerk legt zunehmend an Dichte zu: So laufen jetzt gerade mit einer Versicherung Gespräche.

Der Businessplan ist ambitioniert. Nach einer Aufbauphase sollen jährlich zumindest zwölf Projekte durchgeführt werden. An Einsatz mangelt es nicht: Am 16. Juni findet die Kick-off-Veranstaltung im RIZ-Krems statt, wo neben Stucon die neue Studie "Studenten - Ungenütztes Kundenpotenzial" präsentiert wird. Wer Lorbeeren sammeln will, muss eben eher Workaholic als Nightlife-Fan sein. Es sind nämlich nicht nur Projekte, die viele Stunden kosten, sondern ebenso die interne Koordination. Strategien entwickeln, über Eigenvermarktung nachdenken, Ideen auf Schiene bringen. Ein Job mit hohen Anforderungen: "Es kommen nur jene zum Zug, die sich so eine Arbeit neben dem Studium zeitlich leisten können. Wir wollen die Besten, die sollen noch besser werden", nennt Bauer die Recruiting-Maßstäbe. Alter ist keine Barriere: Jüngere Semester werden langsam aufgebaut, damit jene Beratung noch weiterbesteht, wenn ihre Gründerväter längst in Konzernen bestens dotierte Positionen bekleiden. Bauer: "Unser Unternehmen ist als ,Never Ending Story' geplant." (DER STANDARD-Printausgeba, 7.5.2005)

Von Christian Prenger
  • Versuchen den Aufsteig: Michael Bauer, Guntram Kübelböck und Matthias Lauermann (v.li.)
    foto: standard/fischer

    Versuchen den Aufsteig: Michael Bauer, Guntram Kübelböck und Matthias Lauermann (v.li.)

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