"Haben die Universitäten aus dem Dornröschenschlaf geholt"

14. Juli 2005, 14:11
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Historisches Ambiente, Naturerlebnis, Bier-und Boot-Rennen treffen auf anerkannte Managementstudien. Was widersprüchlich klingt, macht die FH Steyr zu einer lebbaren Formel

Der Weg zur Fachhochschule Steyr ist ein Ausflug in die Vergangenheit. Enge Gassen führen im denkmalgeschützten Stadtteil Wehrgraben direkt am Steyr-Fluss vorbei zu den architektonisch beeindruckenden Gebäuden einer ehemaligen Messer- und Waffenfabrik aus dem 19. Jahrhundert.

Was einst schon Franz Schubert "als einfach schön" bezeichnete, war wohl auch heute noch mit ein gewichtiger Entscheidungsgrund für viele der derzeit 700 Studenten, den FH-Standort Steyr zu wählen. Waren es früher vor allem Flößer, beleben heute vor allem junge Studenten mit Laptops - Wireless LAN sei's gedankt - das romantische Flussufer am Wehrgraben. "Das beeindruckende Ambiente hier war natürlich neben der Möglichkeit zu einer fundierten Ausbildung letztlich der Grund, warum meine Wahl auf die Fachhochschule Steyr gefallen ist", erzählt Studentensprecher Thomas Oberndorfer im Gespräch mit dem Standard.

Bestimmend war die Umgebung vor allem auch für den im vergangenen Jahr fertig gestellten Neubau. Große Fensterflächen garantieren ein Naturerlebnis bis in den letzten Winkel der bewusst klein gehalten Hörsäle. "Trotz ständig wachsender Studentenzahlen legt man hier besonderen Wert darauf, dass der familiäre Charakter im mitunter auch stressigen Hochschulalltag erhalten bleibt", freut sich Oberndorfer.

Eiskaltes Rennfieber

Der Zusammenhalt vor allem mit den Professoren ist auch bei den durchaus kuriosen Freizeitaktivitäten am Campus bemerkbar. Kaum aus dem Sommersemester beziehungsweise generell aus dem Steyrer Eventkalender wegzudenken sind unter anderem das so genannte Bier-Rennen oder die Boat-Mania. Ersteres sorgt für eine besonders starke Bindung zwischen Studenten und Lehrenden: An den Beinen zusammengebunden müssen sich beide in einer Art Schnitzeljagd durch die Stadt mühen, wobei an etlichen Labstellen ein zu leerendes Hopfengetränk wartet.

Ein weiteres, wenn auch frostiges, Campus-Highlight an der FH Steyr ist das jährliche Bootrennen. Mit selbstentworfenen, möglichst ausgeflippten Wasserfahrzeugen (siehe Foto) gilt es, die Renndistanz über den rund zwölf Grad kalten Steyr-Fluss weit gehend trocken zu bewältigen.

Abseits der vergnüglichen Freizeit bestimmt in Steyr in erster Linie die Welt der Wirtschaft den Studentenalltag. "Die FH Steyr bietet eine moderne, praxisorientierte Ausbildung für Führungskräfte. Das Dach bildet der Begriff Management. Darunter reihen sich all unsere Studienrichtungen: Global Sales Managment (GSM), Produktion und Management (PMG), Prozessmanagement Gesundheit (PMG), E-Business (eBIZ), Internationales Logistikmanagement (ILM)", erläutert FH-Standortleiter Herbert Jodlbauer im Standard-Gespräch. Steyr sei "das beste Beispiel" für den Siegeszug der Fachhochschulen. "Wir haben die namhaften Universitäten aus ihrem Dornröschschlaf geholt", ist Jodlbaur überzeugt.

Die Nähe in Steyr ansässigen Firmen wie BMW oder MAN dürfte neben der bunten Freizeitpalette und der Lehrgangsvielfalt ein weiteres Entscheidungskriterium für ausbildungshungrige junge Menschen sein. "Es ist faszinierend, wenn führende Manager eines weltweiten Großkonzerns ihr Wissen als Lehrende an der FH Steyr vermitteln", so die PMG-Studentin Karin Feil. Die Wahl zwischen FH und Universität sei nicht schwer gefallen: "Eine fundierte Ausbildung in relativ kurzer Zeit, internationale Erfahrungen und die eindeutig besseren Jobaussichten haben klar für Steyr gesprochen", so Feil. (DER STANDARD-Printausgabe, 7.5.2005)

Von Markus Rohrhofer
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    foto: fh steyr

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