"Weber" laufen in Dresden wieder in der Originalfassung

6. Mai 2005, 15:17
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"Hommage an Gerhart Hauptmann" mit umstrittenem "Chor der Arbeitslosen" läuft parallel dazu weiter

Dresden - Das Dresdner Staatsschauspiel zeigt vom 10. Mai an mit Ausnahme von zwei kurzen Passagen wieder die ursprüngliche Fassung von Gerhart Hauptmanns "Die Weber". Die Bühne beruft sich dabei auf einen Zwischenbescheid des Berliner Kammergerichts im laufenden Berufungsverfahren, sagte der Geschäftsführende Direktor Hergen Gräper. Darin vertrete das Gericht die Auffassung, dass ein globales Verbot der Inszenierung von Regisseur Volker Lösch nicht haltbar sei. Es halte jedoch lediglich die Passagen mit "Tötungsfantasien", die der Tendenz des Originals zuwiderliefen, für nicht zulässig. Eine Entscheidung über die Berufung steht aber noch aus, sagte Gräper.

Hauptmanns "Die Weber" hatten am 30. Oktober 2004 Premiere, wurden aber nur bis November gespielt. Das Berliner Landgericht bestätigte im Jänner eine auf Betreiben des Verlages erlassene einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung, da die eingefügten Ergänzungen zum Urtext nicht vertragsgemäß genehmigt waren. Das Stück musste abgesetzt werden. Das Theater hatte Berufung eingelegt und von Mitte Februar an den "Chor der Arbeitslosen" aus der verbotenen Inszenierung in einer Textcollage der "Dresdner Weber" als "Hommage an Gerhart Hauptmann" gespielt. Original und Hommage, die den "Skandal" thematisiert, sollen bis zum Spielzeitende beide gezeigt werden.

Die mündliche Vereinbarung zur Einführung des Dresdner Chores sei - entgegen der Entscheidung des Landgerichts Berlin - wirksam, heißt es in dem 17-seitigen Hinweis vom 22. April. "Das Schreiben des Kammergerichts erteile der Haltung des Verlages Felix Bloch Erben (Berlin), die Inszenierung verfälsche Hauptmann in unzulässiger Weise, eine klare Abfuhr." Die Bühne habe sich daher entschieden, die umstrittene Inszenierung ohne die inkriminierten Passagen zu spielen. Dadurch werde die ursprüngliche Intention der Inszenierung keineswegs beschädigt. "Das Staatsschauspiel wird den Prozess weiterführen, weil es nicht Sache der Gerichte sein kann, die Interpretationshoheit über Theatertexte an sich zu reißen."(APA/dpa)

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