Alumni sind gefordert

14. Juli 2005, 14:11
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Noch gibt es keine veröffentlichten Studenten-Rankings der beliebtesten, besten oder karrierewirksamsten FHs - Doch die zukünftigen Arbeitgeber machen sich ein genaues Bild

Julia S. ist 24, spricht neben Deutsch auch Englisch und Französisch, ist motiviert und kompetent, und als Absolventin einer FH mit Studienrichtung Marketing an einem Job interessiert.

Julia S. ist das Konstrukt einer der zahlreichen Alumni-Organisationen der österreichischen Fachhochschulen. Diese bieten neben vielen anderen Services Hilfestellung beim Verfassen eines realistischen Lebenslaufes und Bewerbungsbriefes an. Insofern ist Julia S. real.

Die Existenz der Netzwerke von FH-Absolventen belegt, dass im ersten Jahrzehnt der neuen Studienform bereits so etwas wie eine studentische oder besser post-studentische Kultur entstanden ist - übereinstimmend mit der Zielsetzung der FH karriereorientiert und gegenseitige Hilfestellung bietend. In den Worten des "dualen Studienführers": "Die Alumni sind in den einzelnen Länderorganisationen in der Regel sehr gut organisiert und bieten die unterschiedlichsten Aktivitäten an. Von großer Bedeutung ist das Business Network der Alumni, die einander gegenseitig bei der Suche nach Informationen helfen, einander Insidertipps über Unternehmen geben oder auch Jobs vermitteln. Die Alumni sind eine gute Informationsquelle, da sie die Stärken und Schwächen einer Schule aus erster Hand kennen. Viele Alumni unterstützen ihre Schule finanziell und engagieren sich als GastdozentInnen."

Wer sich über die Aussichten eines bestimmten Studiums informieren will, ist mit den Alumni-Websites ganz gut bedient. Schwieriger schon ist es, die derzeitigen Studenten nach den Unterschieden zwischen den Angeboten zu fragen. Die FH-Studentenschaft ist nämlich nicht österreichweit organisiert. Es fehlen ihr dazu Geld, Räumlichkeiten - und wahrscheinlich, so vermutet Kurt Sohm vom Fachhochschulrat (FHR), die Kontinuität, die zu seiner bundesweiten Tätigkeit motivieren würde.

In den einzelnen Studiengängen bewerten die Studenten die Lehrveranstaltungen ihrer FH sehr wohl und sogar institutionalisiert, als Teil der offiziellen Evaluationen. Allerdings wird das Feedback der Lernenden nicht veröffentlicht. Das hat einen technischen und einen eher prinzipiellen Grund.

Der technische besteht darin, dass die Evaluierung 2004 der privaten und der staatlichen Unis bzw. Fachhochschulen durch die Österreichische Qualitätssicherungsagentur AQA noch nicht abgeschlossen ist. (Die AQA hat die Evaluierung der Institutionen vor einem Jahr vom FHR übernommen.)

Der prinzipielle Grund liegt laut Sohm darin, dass es im deutschsprachigen Raum keine Tradition veröffentlichter Beurteilungen und Rankings gibt. Auch Alexander Kohler von der AQA betont, dass die Ergebnisse lediglich intern diskutiert werden. Die Unis und FHs können selber entscheiden, wie öffentlich die (Un-)Beliebtheit der gebotenen Leistungen gemacht werden. In Innsbruck etwa habe man eine Liste der besten Veranstaltungen publiziert - aber nicht die der kritikwürdigsten. "Es fehlt an Akzeptanz unter den Lehrenden", sagt Kohler. "Man spricht dann lieber intern mit ihnen und versucht, auf diese Weise Kurskorrekturen zu erreichen."

Ein gnadenloses Feedback durch Studenten, wie es an amerikanischen Unis gang und gäbe ist und die dort Lehrenden gehörig auf Trab hält, hält man bei uns für verfrüht, aber nicht für undurchführbar. Im Gegenteil: "Ich schätze, dass es kommen wird, wenn die Qualitätssicherungspolitik auf EU-Niveau angehoben wird", sagt FHR-Geschäftsführer Sohm.

Einiges über die Qualität ließ sich aber auch jetzt schon eruieren, zumindest aus der Perspektive der Wirtschaft. Das Industriemagazin veröffentlichte vor Kurzem sein FH-Ranking 2005. 210 Personalentscheider beantworteten einen Brief des Inhalts: "Bitte geben Sie den Eindruck wieder, den Sie von der Qualität des jeweiligen Studienganges haben. Ihre Bewertung kann sich auf persönliche Erfahrungen mit einem Absolventen/einer Absolventin ebenso wie auf etwaige Zusammenarbeit mit dem Studiengang und/ oder andere Informationsquellen stützen." Dazu kamen Selbstauskünfte der FH-Träger und Daten zur Selektivität bei Bewerbern.

Nach diesen Kriterien schnitten, wie kürzlich auch Falter Special 11 berichtete, folgende FH-Studiengänge besonders gut ab:

  • Im Bereich Technik die Mechatronik/Wirtschaft, FH OÖ Wels,
  • Software Engineering, FH OÖ Hagenberg und
  • Informationsmanagement, FH Joanneum Graz.
  • Im Bereich Wirtschaft das Internationale Logistikmanagement, FH OÖ Steyr,
  • Marketing & Sales, FHW Wien und
  • Internationale Wirtschaftsbeziehungen, FH Bgld Eisenstadt.

Als Teil des Erfolgs sieht Anna Koubek, Leiterin der FH Joanneum, die Kooperation mit Unis in Forschung wie Lehre. Misserfolge haben bekanntlich weniger Väter: Warum manche FHs in der ansonsten sehr positiven Einschätzung durch Personalchefs doch schlecht abschnitten, ist vermutlich eher durch die mangelnde Nachfrage in der Wirtschaft als durch die niedrige Qualität der Lehrveranstaltungen zu erklären.

Die Alumni-Netzwerke sind jedenfalls gefordert.

(Michael Freund/DER STANDARD-Printausgabe, 7.5.2005)

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    Selten sind die Momente an der Hochschule, in denen man gern alleine durchs Wasser watet. Zum Beispiel, wenn man fertigstudiert hat.

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