Prosopagnosie: Wenn man keine Gesichter erkennt

13. Mai 2005, 11:43
2 Postings

Deutsche Humangenetiker suchen nach dem verantwortlichen Gen

Münster - Die Unfähigkeit, Gesichter erkennen zu können, dürfte häufig genetisch begründet sein. Untersuchungen von Familien, in denen die so genannte Prosopagnosie gehäuft auftritt, ergaben, dass die Störung über ein einzelnes Gen vererbt wird. Die Humangenetiker der Universität Münster wollen nun das betreffende Gen identifizieren und untersuchen, wie es konkret die Gehirnfunktion beeinflusst.

Menschen mit Prosopagnosie haben häufig Probleme damit, selbst die Gesichter naher Verwandter oder Freunde wiederzuerkennen. Die erworbene Form der Störung kann etwa nach einer Gehirnverletzung oder einem Schlaganfall auftreten. Die angeborene Form wird dagegen vererbt.

Frühe Erkennung soll Fehldiagnosen verhindern

Die Forscher aus Münster befragten die Mitglieder einer Selbsthilfe-Gruppe und deren Angehörige über Prosopagnosie-Symptome. Dabei stießen sie in sieben Familien auf insgesamt 38 Menschen mit dem Problem, wie das Magazin "New Scientist" berichtet. Die Forscher wollen nun das verantwortliche Gen identifizieren und damit die Möglichkeit dafür schaffen, betroffene Kinder frühzeitig zu diagnostizieren.

Damit soll zum einen verhindert werden, dass die Kinder irrtümlich etwa als autistisch eingestuft werden. Zum anderen können die betroffenen Buben und Mädchen dann ihre Schwierigkeiten beim Wiedererkennen anderer Menschen besser verstehen. Eine weitere Befragung von 576 Biologiestudenten aus Münster deutet darauf hin, dass Prosopagnosie weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Fast zwei Prozent der Befragten berichteten darin über typische Symptome der Gesichtsblindheit. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.