Skandal bringt Bushs Chef im Repräsentantenhaus in Bedrängnis

9. Mai 2005, 13:16
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Tom DeLay soll sich von Lobbyisten teure Reisen bezahlen haben lassen - Die Demokraten bereiten ein Ermittlungsverfahren vor

Washington - Tom DeLay, der Republikaner-Chef im US-Repräsentantenhaus, gerät ins Stolpern. Er soll sich von Lobbyisten teure Reisen bezahlt haben lassen, im Gegenzug soll er Einfluss auf die Gesetzgebung genommen haben, berichtet der Spiegel Online am Freitag.

Abramoff

Seit September 2004 ermitteln zwei Senatsausschüsse sowie eine Task Force aus FBI, Justiministerium, Innenministerium und der Steuerbehörde IRS gegen Jack Abramoff, den DeLay einst als "einen meiner engsten und liebsten Freunde" bezeichnete. Deren Vorwürfe färben langsam auch immer mehr auf DeLay selbst ab - und rücken ihn nun ins Zentrum des Skandals, bei dem es um Steuerbetrug und Bestechung in Millionenhöhe gehen soll.

Abramoff selbst wird von spiegel.de als "Hansdampf in allen Gassen" bezeichnet: Er leitete ein vom südafrikanischen Apartheidsregime finanziertes Institut, beriet den letzten Diktator Zaires, Mobutu Sese Seko, und produzierte den B-Movie "Red Scorpion", einen antikommunistischen Action-Flop, den die "New York Times" damals unter der Schlagzeile "Brustmuskeln in der Wüste" verriss.

Golf-Trip für 120.000 Dollar

In Bedrängnis gerät DeLay nun wegen Reisen, die aus der Kasse von Abrammoffs Lobby-klienten bezahlt worden sein sollen. Die Washington Post berichtete am Freitag über Reisen nach Schottland im Jahr 2000 und nach Südkorea 2001 - 120.000 Dollar soll allein der Golf-Trip nach Schottland gekostet haben, drei Viertel des Jahresgehalts eines einzelnen US-Abgeordneten.

Für böses Blut sorgt auch eine Veröffentlichung der "New York Times", der zufolge DeLays Gattin und Tochter seit 2001 über 500.000 Dollar aus der Kasse seiner eigenen Wahlkampforganisation bezahlt bekommen hätten - als "Gehalt".

Bewaffnete Freunde von "Hammer"

Der tiefreligiöse DeLay, der den Spitznamen "Hammer" trägt, weist jede Kritik gegen seine Person zurück. "Ich werde mehr beobachtet und ausgeforscht als Bill Clinton", jammerte er neulich als Festredner der Waffenlobby NRA und fügte hinzu: "Wenn ein Mann in Gefahr ist, dann will er seine Freunde um sich haben, und zwar am besten bewaffnet. Deshalb fühle ich mich hier wirklich gut."

DeLay steht mit seiner Reiselust nicht alleine da: Allein voriges Jahr sollen die US-Kongressabgeordneten 2,65 Millionen Dollar verflogen haben. "Der Skandal ist nicht der, dass einige Leute die Regeln gebrochen haben könnten, sondern der Skandal sind die Regeln selbst", so der Demokrat Martin Meehan. Allerdings dürfte DeLay "das Rad zu weit gedreht haben", vermutet spiegel.de.

Ermittlungsverfahren

Die Demokraten sehen nun ihre Chance, DeLay öffentlich den Prozess zu machen und ihn zu stürzen. Diese Woche beginnt eine Kommission mit ihren Vorbereitungen für ein Ermittlungsverfahren gegen DeLay. In dem Gremium sitzen fünf Republikaner und fünf Demokraten. Zwei der Republikaner mussten sich laut spiegel.de aber jetzt schon freistellen lassen, weil sich herausstellte, dass auch sie DeLay Jahre lang mit Wahlkampfspenden bedacht hatten. (red)

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    Tom DeLay mit George W. Bush

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    DeLay bei einem Vortrag vor der US-Waffenlobby National Rifle Association

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    Jack Abramoff - "Hansdampf in allen Gassen"

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