Rosh verteidigt inhaltliche Ausrichtung des Holocaust-Mahnmals

8. Mai 2005, 20:49
posten

Denkmal nur für jüdische Opfer - "Wer ein Denkmal für alle Opfer fordert, will im Grunde gar keines"

Berlin - Die Initiatorin des Holocaust-Mahnmals in Berlin, Lea Rosh, hat ein Denkmal ausschließlich für die ermordeten Juden Europas verteidigt. "Wer ein Denkmal für alle Opfer fordert, will im Grunde gar keines", sagte Rosh. Der systematische Massenmord an den europäischen Juden sei in seiner Dimension einmalig gewesen. Daher müsse der jüdischen Opfer auch besonders gedacht werden. Das vom amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfene Denkmal wird am 10. Mai in Berlin nach zweijähriger Bauzeit eröffnet.

Klage über zu wenig Unterstützung

Rosh kritisierte die mangelnde Unterstützung aus Teilen der Politik für das Mahnmal. Bundeskanzler Gerhard Schörder (SPD) stehe dem Denkmal eher gleichgültig gegenüber. "Schröder hat zu dem ganzen Thema kein Verhältnis." Dessen früherer Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) habe sogar "alles versucht, um das Denkmal zu verhindern".

Statt eines Mahnmals habe Naumann ein Holocaust-Museum nach dem Vorbild Washingtons befürwortet, damit aber den Bau des Denkmals torpedieren wollen. "Für mich als Sozialdemokratin war das starker Tobak", sagte die 68-Jährige. Dagegen habe der einstige SPD- Bundeskanzler Willy Brandt als erster den Aufruf zum Bau eines Denkmals für die ermordeten Juden unterschrieben.

Proponenten und Hemmnisser

Zu den wichtigsten Befürwortern des Baus zählt Rosh den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). "Kohl wollte unbedingt das Denkmal, er hat sich dabei auch nicht beirren lassen", sagte die Publizistin, die zusammen mit dem Historiker Eberhard Jäckel 1988 den Anstoß für das Mahnmal gegeben hatte. Vor allem aus dem Bundestag habe es zunächst großen Widerstand gegeben. "Der Riss ging durch alle Parteien", sagte Rosh.

Seit fast zwei Jahrzehnten kämpfte die heute 68-Jährige für ihr Lebenswerk, den für den Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Dabei hat sie sich neben viel Bewunderung auch viele Gegner verschafft. "Mutter aller Mahnmale", "Holocaust-Kassandra" oder "Berufsjüdin" - die Etiketten waren oft alles andere als schmeichelhaft. Die 1936 in Berlin geborene Rosh setzte sie schon früher Zeichen. Früh beschäftigte sie sich als TV-Journalistin mit der NS-Zeit. Als Moderatorin der Talksendung "III nach Neun" wurde sie einem größeren Publikum bekannt. Die Holocaust- Dokumentation "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland", die sie mit dem Historiker Eberhard Jäckel drehte, erregte Aufsehen. In dieser Zeit begann auch ihr Engagement für das Mahnmal.

Rosh verhandelte mit Bundestagsabgeordneten und überzeugte auch Kanzler Helmut Kohl (CDU) von der Notwendigkeit des Mahnmals. Auch vor Provokation scheute sie nicht zurück. Eine Spendenkampagne unter dem Motto "Auschwitz hat es nie gegeben" trug ihr Aufmerksamkeit, aber auch viel Ärger ein.(APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.