Krankenpflegeberufe werden liberalisiert

6. Mai 2005, 12:13
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Zeitarbeitsfirmen können auch Krankenschwestern vermitteln - Wirtschaftskammer sieht Chance für Wiedereinsteigerinnen

Wien - Die Ausübung der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe wird liberalisiert. Wie Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) am Donnerstag gegenüber der APA erläuterte, wird die bisher in diesem Bereich verbotene Arbeitskräfteüberlassung nun zugelassen. Beschäftigte können damit von Zeitarbeitsfirmen auch an Gesundheitsdienstleister vermittelt werden.

Scheinselbstständigkeit entgegenwirken

Rauch-Kallat will damit der in letzter Zeit immer häufiger aufgetretenen Scheinselbstständigkeit von Krankenschwestern "einen Riegel vorschieben". Bedingung für diese Arbeitskräfteüberlassung ist aber, dass nicht mehr als 30 Prozent des Personals eines Unternehmens auf diese Art bereitgestellt werden. Zudem muss die nötige Qualifikation der MitarbeiterInnen gegeben sein und auf die organisatorische Einheit im Krankenhaus Rücksicht genommen werden. Unter diesen Voraussetzungen könnten personelle Engpässe im Krankenpflegebereich abgedeckt werden, erhofft sich Rauch-Kallat von dieser am Dienstag vom Ministerrat beschlossenen Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes.

Chance für Wiedereinsteigerinnen

Die Wirtschaftskammer erhofft sich davon, dass vor allem Wiedereinsteigerinnen den Schritt zurück in die Berufswelt schaffen. Gerhard Flenreiss, der Sprecher der Berufsgruppe der Arbeitskräfteüberlasser in der Kammer, erwartet 15.000 bis 20.000 neue Arbeitsplätze insbesondere für Frauen. Zudem könnte der sich abzeichnende Pflegenotstand sowohl im ambulanten Bereich, als auch in Pflegeheimen und Krankenanstalten gelindert werden, meint Hanspeter Hanreich, der Leiter der rechtspolitischen Abteilung der Kammer.

Vereinheitlichung der Sozialbetreuungsberufe

Ebenfalls in der Novelle enthalten ist eine bundesweite Vereinheitlichung der Sozialbetreuungsberufe. Derzeit gibt es unterschiedliche Standards für Alten- oder Behindertenpfleger und keine wechselseitige Anerkennung zwischen den Bundesländern. So könnte es derzeit etwa vorkommen, dass ein in Niederösterreich ausgebildeter Pfleger in der Steiermark nicht arbeiten kann. Die Vereinheitlichung wurde bereits in einem 15a-Vertrag des Bundes mit den Ländern fixiert und wird jetzt mit diesem Gesetz umgesetzt.

Neu geschaffen wird auch eine spezielle bundeseinheitliche Sonderausbildung für die Kinderintensivpflege. Zur weiteren Spezialisierung des Pflegepersonals wird nun dieses Sonderfach zur Verbesserung der Kinderkrankenpflege angeboten. (APA)

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