Bush: Alle Alliierten für Teilung Europas verantwortlich

9. Mai 2005, 09:44
102 Postings

"Ungerecht, Russland allein Vorwürfe zu machen" - Putin: "Unser Volk hat elf Staaten befreit" - Moskau dementiert Ärger über Bush

Moskau/Riga - US-Präsident George W. Bush hat auf die gemeinsame Verantwortung der Weltkriegs-Alliierten für die vom Baltikum und Polen beklagte Teilung Europas nach 1945 hingewiesen. Die Sowjetunion, die USA und Großbritannien hätten in Jalta 1945 eine Entscheidung getroffen, auf Grund derer "die baltischen Völker in einem System leben mussten, dass sie selbst nicht gewählt hatten". Das sagte Bush in einem Interview mit dem Moskauer Fernsehsender NTW, das am Freitagabend ausgestrahlt wurde.

Es sei ungerecht, jetzt allein Russland Vorwürfe zu machen. "Man muss eingestehen, dass an jenem Tisch (in Jalta) nicht nur der Führer Russlands saß, sondern auch der britische Premierminister und der US-Präsident", erklärte Bush. Er rief die baltischen Staaten auf, die Rechte ihrer russisch-stämmigen Minderheiten zu achten.

Bei seinem Besuch in Riga lobte Bush am Samstag die lettische Demokratie. "Es ist eine solche Freude in das Land zu reisen, das die Freiheit liebt und schätzt", sagte der US-Präsident nach einem Treffen mit Präsidentin Vaira Vike-Freiberga. Gemeinsam mit ihr legte er Kränze am lettischen Freiheitsdenkmal nieder und gedachte damit der Opfer, die die Okkupationen Lettlands forderten.

Putin: Entscheidender Anteil Russlands an Sieg über Faschismus

Zum Auftakt der Feiern zum 60. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg in Moskau hat der russische Präsident Wladimir Putin am Samstag ein Denkmal für die sowjetischen Truppen von 1945 eröffnet. Russland habe entscheidenden Anteil an der Niederwerfung des Faschismus gehabt, sagte Putin. "Auf einem gigantischen Schlachtfeld von der Barentssee bis zum Kaukasus wurde die Militärmaschinerie des Angreifers zerschlagen." Die Hitler-Truppen hätten an der Ostfront drei Viertel ihrer Verluste erlitten, sagte Putin.

Putin: "Unser Volk hat elf Staaten befreit"

Putin wies die Kritik an der Besetzung der baltischen Staaten durch sowjetische Truppen indirekt zurück. "Unser Volk hat nicht nur sein eigenes Land verteidigt, es hat elf europäische Staaten befreit", sagte Putin bei der Einweihung des Denkmals der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Die Welt habe noch nie einen solchen "Massenheroismus" erlebt.

Das russische Außenministerium wies am Samstag einen Zeitungsbericht zurück, wonach sich Moskau über den Besuch von US-Präsident George W. Bush in Lettland und Georgien beschwert habe. "Es gab keinen Brief", erklärte ein Sprecher des russischen Außenministeriums. Die "New York Times" hatte am Freitag berichtet, der russische Außenminister Sergej Lawrow habe seiner US-Kollegin Condoleeza Rice einen Protestbrief geschickt. Rice habe geantwortet, der US-Präsident reise in die Staaten, in die er wolle. Nach Angaben des russischen Außenamtssprechers telefonierten Lawrow und Rice kürzlich im Rahmen ihres "regulären Austausches" und sprachen dabei auch über die Reise Bushs. Dies sei im "vollen Respekt vor dem Recht der USA auf Gestaltung ihrer Außenbeziehungen" geschehen.

Höchster lettischer Orden für Bush

Bush ist zum Auftakt seines Besuches in Riga mit der höchsten lettischen Auszeichnung geehrt worden. Bush sei ein Kämpfer für die Freiheit in aller Welt, würdigte Präsidentin Vaira Vike-Freiberga den amerikanischen Gast am Samstag bei der Verleihung des Drei-Sterne-Ordens. (APA/dpa/Reuters/Red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    George W. Bush und Lettlands Präsidentin Vaira Vike-Freiberga bei der Truppenparade in Riga.

Share if you care.