Apples Tiger mit dem scharfen Auge

11. Juli 2005, 11:59
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Betriebssysteme sind selten sexy - Aber Apples neues Mac OS X "Tiger" ist ein steiler Zahn - meint Helmut Spudich

Die Liste der Neuerungen in "Tiger", der vergangenen Freitag freigegebenen jüngsten Version von Apples Betriebssystem Mac OS X, ist lang. Aber wahrscheinlich keine der rund 200 neuen Funktionen, die Apple verpackt hat, wird so nachhaltige Änderungen auf den Gebrauch von Macs haben wie die "Spotlight" getaufte integrierte Suchfunktion.

Das ist verrückt

"Es ist inzwischen mühsamer, eine Datei auf dem eigenen Computer zu finden als auf einer Internetseite in China, das ist verrückt", beschreibt Oren Ziv, Softwarechef bei Apple in Europa das Paradoxon der Google-Ära. Apples Antwort auf dieses Problem ist eine in das Herz des Systems integrierte Suchfunktion, die in allen Winkeln nach Stichworten suchen kann und Ergebnisse sekundenschnell auflistet, egal ob es um eine Adresse, Mail, Bilder oder Dokumente geht.

2006

Zwar sind in letzter Zeit Suchprogramme auf den Markt gekommen, aber der Unterschied liegt in der Integration in das Betriebssystem. Denn dadurch ist einerseits die Suche nicht auf bestimmte Dateien begrenzt, sondern findet beispielsweise auch einen Ortsnamen in einer Landkarte. Und das Tempo der Suche ist wesentlich schneller. Microsoft wird diese Art von Suchfunktion erst in dem für 2006 angekündigten Windows "Longhorn" integrieren.

"Damit ändert sich die Art vollständig, wie man mit dem Computer arbeitet"

"Damit ändert sich die Art vollständig, wie man mit dem Computer arbeitet", sagt Ziv. Statt sich zu überlegen, nach welchen Kriterien man Dokumente ablegt, kann man mit "Smart Folders" arbeiten: Man definiert, welche Arten von Information man zusammenlegen will, und in einem virtuellen Ordner werden laufend die dazupassenden Dokumente gesammelt. Der tatsächliche Speicherort einer Datei wird dadurch unerheblich, die jeweilige Datei kann, wenn sie mehrere Kriterien erfüllt, in vielen virtuellen Ordnern "abgelegt" sein statt wie derzeit nur an einer Stelle.

Andere wesentliche Neuerungen in Apples Tiger umfassen eine lange Liste:

  • Video:

    Bis zu vier Teilnehmer können mit iChat eine Videokonferenz abhalten, bis zu zehn Teilnehmer eine Audiokonferenz. Quicktime, Apples Videoprogramm, enthält einen neuen Standard, der für die Wiedergabe hochauflösender Videos sorgt. Und Quicktime funktioniert wie ein Rekorder und kann Bild und Ton aufnehmen, um es dann z. B. per Mail zu verschicken.

  • "Dashboard":

    Die "kleinen Programme, die man schnell braucht und schnell wieder wegräumen will" - wie einen Währungsumrechner, Wetterdienst, Flugplan -, sind quasi in einer dritten Dimension des Bildschirms organisiert, per Tastendruck kommen sie hervor, auf Mausklick verschwinden sie in den Hintergrund.

  • Automation:

    Abläufe, die sich oft täglich am Computer wiederholen, können vom Benutzer ohne Programmierkenntnisse leicht automatisiert werden.

  • Internet:
  • Apples Internetbrowser ist jetzt RSS-fähig - das erlaubt es, die laufend neuen Beiträge auf Websites automatisch einzusammeln und auf einer Seite übersichtlich darzustellen, statt jeweils alle Seiten aufrufen zu müssen. Sicherheitsbedachte Eltern können bestimmen, welche Websites ihre Kinder besuchen können und von wem sie Mail erhalten (oder chatten) können. Und "Privates Browsen" ermöglicht es, die beim Surfen hinterlassenen Spuren zu verwischen.

    Der Preis des Updates auf Tiger: 129 Euro. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 6. Mai 2005)

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