Blair räumt "Denkzettel" für Irak-Krieg ein

11. Mai 2005, 16:49
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Premier: "Historischer dritter Wahlsieg" von Labour - "Müssen vernünftig auf Stimmverluste reagieren" - Vor Queen: "Ich habe zugehört und gelernt"

London - Der britische Premierminister Tony Blair sieht sich vor seinem dritten Wahlsieg. In seinem Wahlkreis Sedgefield sagte er am Freitagmorgen: "Es sieht danach aus, dass die Labour Party zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen historischen dritten Wahlsieg erringen wird." Er sehe aber auch, dass die Wähler seine Mehrheit im Parlament offensichtlich verkleinert hätten. "Wir müssen vernünftig darauf reagieren", sagte er.

Denkzettel

Er fügte hinzu, die Wähler hätten ihm mit der voraussichtlich geringer ausgefallenen Mehrheit wohl einen Denkzettel verpasst. Blair räumte in diesem Zusammenhang ein, dass ihn seine Unterstützung des Irak-Krieges wohl Stimmen gekostet haben dürfte. "Es scheint klar, dass das britische Volk wieder eine Labour-Regierung wollte, aber mit einer geringeren Mehrheit", sagte Blair und fügte an: "Ich weiß, dass (das Thema) Irak dieses Land gespalten hat. Ich hoffe aber, dass wir jetzt wieder zusammenfinden."

Nach den großen Erfolgen 1997 und 2001 hatte Blair wegen seiner Unterstützung des Irak-Kriegs zuletzt an Popularität eingebüßt. In seinem Wahlkreis setzte sich Blair gegen einen Konkurrenten durch, dessen Sohn im Irak als Soldat getötet worden war

Außenminister Jack Straw sagte, es sei kein Wunder, dass die Regierung nicht mehr ganz so gut abschneide wie vor acht oder vier Jahren. Dabei habe auch der Irak-Krieg eine Rolle gespielt. Straws Vorgänger Robin Cook, ein harscher Kritiker des Irakkrieges, sagte: "Wir müssen sehr genau hinhören, was uns die Leute zu sagen haben." Blairs ehemaliger Pressechef Alastair Campbell sagte: "Ich glaube, das Land hat sich entschieden, Tony Blair wiederzuwählen, aber mit einer geringeren Mehrheit. Sehr große Mehrheiten sind aber auch eher die Ausnahme."

Blair: "Ich habe zugehört und gelernt"

Nach seinem Wahlsieg hatBlair seinen Landsleuten versprochen, sich "unermüdlich" um ihre wichtigsten politischen Anliegen zu kümmern. Er habe "zugehört und gelernt" und nun eine klare Vorstellung davon, was die Briten von ihm in seiner dritten Amtszeit erwarteten, sagte Blair am Freitag an seinem Amtssitz Downing Street No. 10 in London. Wirtschaftliche Stabilität und die Verbesserung des Gesundheits- und Bildungswesens sowie der öffentlichen Dienste stünden im Vordergrund.

Er empfinde es als "Ehre und Privileg", ein drittes Mandat als Regierungschef erhalten zu haben. Er habe den Eindruck, dass die Briten nun strittige Themen wie etwa den Irak-Krieg hinter sich lassen und auf die Zukunft konzentrieren wollten. Kurz zuvor war Blair im Buckingham-Palast in London gewesen, wo ihn Queen Elizabeth II. offiziell mit der Regierungsbildung betraute. Blair wollte im Laufe des Tages sein neues Kabinett vorstellen.

(APA/dpa)

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    Tony und Cherie Blair in ihrem Wahlkreis Sedgefield

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