Berlusconi hält Bush die Treue

8. Mai 2005, 10:33
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Fall Calipari "beeinträchtigt Beziehungen zu den USA nicht"

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat im Parlament eine Verschlechterung der Beziehungen zu den USA durch den Fall Calipari ausgeschlossen. "Wir haben festgestellt, dass es unmöglich ist, zu gemeinsamen Schlussfolgerungen zu gelangen. Doch die Qualität der Beziehungen zwischen beiden Ländern wird durch den tragischen Tod Caliparis nicht beeinträchtigt", versicherte der Premier.

Die gegensätzlichen Berichte über die Erschießung des italienischen Geheimdienstoffiziers in Bagdad könnten nicht als "Bruch in der Allianz zwischen Rom und Washington" interpretiert werden. Bei der Erschießung Caliparis gab es zwar keine Absicht, wohl aber "schuldhaftes Verhalten", so der Regierungschef. Den römischen Staatsanwälten, die über den Fall ermitteln, versprach Berlusconi "die volle Unterstützung der Regierung". US-Botschafter Mel Sembler hatte eine Einstellung der Ermittlungen empfohlen, da es sich um "kein Verbrechen, sondern ein tragisches Unglück" handle.

Einen einseitigen Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak schloss der Premier kategorisch aus. "Jede Querverbindung zwischen dem Tod unseres Landmannes und der Stationierung unserer Truppen ist völlig aus der Luft gegriffen", erklärte Berlusconi. Das italienische Kontingent werde im Irak bleiben, solange die Regierung in Bagdad das wünsche.

Wenige Stunden vor Berlusconis Rede im Parlament hatte US-Präsident Georg Bush den erschossenen Geheimdienstoffizier als "heldenhaften Diener Italiens und großes Vorbild für die USA" gewürdigt. Der Parteichef der Linksdemokraten Piero Fassino forderte im Parlament eine Entschuldigung der USA. "Wir haben bisher nur Beileidsbekundungen gehört. Doch das reicht nicht aus", bemängelte Fassino.

Von den italienischen Medien wurde das Verhalten der USA im Fall Calipari scharf kritisiert. Der Corriere della Sera warf Washington in einem Leitartikel arrogantes Verhalten vor: "Die USA sind völlig unsensibel für die Gefühle ihrer Bündnispartner, für die Stimmung in der Bevölkerung und die öffentliche Meinung." La Repubblica unterstellte Berlusconi "vorauseilenden Gehorsam gegenüber Bush". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. Mai 2005)

Von Gerhard Mumelter aus Rom
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