Anklage schloss Beweisführung ab

19. Mai 2005, 12:32
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Halbzeit im Jackson-Prozess: Nun ist die Verteidigung an der Reihe

Santa Maria - Halbzeit im Jackson-Prozess: Nach zehnwöchigen Zeugenvernehmungen hat die Anklage im Missbrauchverfahren gegen Popstar Michael Jackson am Mittwoch ihre Beweisführung abgeschlossen. Als letzter Zeuge war der Plattenproduzent Rudy Provencio in Santa Maria (Kalifornien) aufgetreten.

"Schwaches Finale"

Er gab vor der zwölfköpfigen Jury über Telefongespräche zwischen Jackson und seinen Mitarbeitern im Februar 2003 Auskunft. Viele Prozessbeobachter sprachen von einem schwachen Finale einer von Problemen geplagten Beweisführung seitens der Staatsanwaltschaft.

Wie der Sender FoxNews berichtete, wird Richter Rodney Melville am Donnerstag zunächst über einen Antrag der Verteidigung entscheiden, Jackson aus Mangel an Beweisen frei zu sprechen. Gerichtsexperten rechnen mit einem ablehnenden Bescheid.

Macaulay Culkin soll aussagen

Nach Informationen des Senders MSNBC will die Verteidigung zum Auftakt drei junge Männer, darunter den früheren Kinderstar Macaulay Culkin, in den Zeugenstand rufen. Die Anklage hatte Culkin und die beiden anderen Neverland-Besucher als weitere Belästigungs-Opfer des Sängers dargestellt. Alle drei hatten dagegen in früheren Interviews versichert, dass ihre Beziehung zu Jackson rein freundschaftlicher Natur gewesen sei.

Der 46-jährige Sänger muss sich wegen sexuellen Missbrauchs eines heute 15 Jahre alten Buben im Frühjahr 2003 auf seiner Neverland-Ranch verantworten. Er soll den Buben und dessen Familie auch gegen deren Willen auf dem Anwesen festgehalten und sie unter Druck gesetzt haben, sich in einem Video positiv über den Sänger zu äußern.

Anklage präsentierte 80 Zeugen

Die Anklage hatte in den vergangenen zwei Monaten über 80 Zeugen präsentiert, darunter das angebliche Missbrauchopfer, dessen Mutter und Geschwister, sowie zahlreiche frühere Angestellte des Popstars. Der Richter hatte auch Aussagen über Belästigungsvorwürfe aus den neunziger Jahren zugelassen. Damit wollte die Staatsanwaltschaft Jacksons angebliche pädophile Neigung aufzeigen. Als schweren Rückschlag für die Anklage werteten Kommentatoren den Auftritt von Jacksons Ex-Gattin Debbie Rowe, die den Vater ihrer beiden Kinder überraschenderweise in Schutz nahm.

Die Zeugenaussage von Provencio am Mittwoch sollte den Vorwurf der Anklage untermauern, dass Jackson gemeinsam mit seinen Helfern ein Komplott schmiedete, die Familie des Teenagers unter Druck zu setzen und auf Neverland gefangen zu halten. Der Plattenproduzent berichtete über Telefonate im Februar 2003, in denen Mitarbeiter des Popstars davon sprachen, dass die Familie von dem Neverland-Anwesen "geflüchtet" sei. In diesem Zusammenhang sei auch das Wort "Killer" gefallen.

Im Kreuzverhör von Jacksons Verteidigern räumte der Zeuge aber ein, dass er keine direkten Anweisungen des Sängers gehört habe, die den Vorwurf seiner Teilnahme an einer Verschwörung bestätigen würden.

Über 250 mögliche Zeugen stehen auf der Liste der Verteidigung, darunter Stars wie Elizabeth Taylor, Diana Ross, Eddy Murphy und Stevie Wonder. Das Verfahren kann sich aus Sicht von Prozessbeobachtern noch über zwei Monate hinziehen. (APA/dpa)

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