Tschetschenen-Homepage soll von Nordeuropa aus expandieren

13. Mai 2005, 10:08
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Finnischer IT-Unternehmer will kavkazcenter.com auch nach Deutschland bringen - Webshop soll demnächst aufmachen

Die von Moskau bekämpfte und als Sprachrohr von Terroristen bezeichnete tschetschenische Website http://kavkazcenter.com soll eine breitere technische Basis erhalten. Der finnische IT-Unternehmer Mikael Storsjö, der die Homepage vergangenen Herbst nach kurzem Betrieb auf Anraten der finnischen Behörden wieder vom Netz nahm und nach Schweden weiter vermittelte, plant als ersten Schritt kommende Woche die Wiedereröffnung in Finnland.

Shop

Gleichzeitig mit dem Relaunch des finnischen Servers soll die Homepage ein "Facelifting" erhalten und ein Webshop aufgemacht werden, berichtete Storsjö im Gespräch mit der APA. Über den Webshop wollen die Macher von Kavkaz-Center künftig Dokumentarfilme, Musik und religiöse Texte vertrieben, um so zu zusätzlichen finanziellen Mitteln zu kommen.

Storsjö betonte, der Inhalt der auf Englisch, Russisch und Türkisch verfügbaren Internetsite stehe nicht im Widerspruch zu den finnischen Gesetzen. Jedenfalls werde darin nicht zu Mord oder Gewalt aufgerufen. Storsjö erwartet sich daher diesmal keine Besuche von Beamten der finnischen Sicherheitspolizei SUPO wie zuletzt im Herbst.

Argumente

Der Unternehmer, dessen Faible für den Kaukasus vor rund zwei Jahrzehnten eine junge Dagestanerin entfachte, sieht sich als Kämpfer für die Medienfreiheit und die Übermittlung alternativer Nachrichten aus der Region. Um die Tätigkeit von Kavkaz-Center zu gewährleisten, sei es daher wichtig, möglichst viele Internet-Knoten einzurichten, damit die Website gegenüber politischen Interventionen Moskaus und Computervirus-Attacken immun ist, so Storsjö.

Geplant ist daher die Eröffnung weiterer, so genannter "Mirror-Sites" in Deutschland und in weiterer Folge auch in Großbritannien oder in den USA. Derzeit geht die Tschetschenen-Homepage als "kavkazcenter.com" sowie mit einigen anderen Domain-Namen von Schweden und Litauen aus ins Internet. In beiden Ländern war Moskau mit seinen Intervetionsversuchen letztendlich abgeblitzt.

Agentur

Kavkaz-Center bezeichnet sich selbst als "tschetschenische, unabhängige, internationale islamische Internet-Agentur". Die tschetschenischen Rebellen verwenden die Homepage immer wieder für ihre Verlautbarungen. Gegründet wurde Kavkaz-Center nach eigenen Angaben 1999 in Grozny. Als Chefredakteur fungiert Visami Tutujew, dessen Sohn vergangenen Herbst bei einem Attentat in Aserbaidschan schwer verletzt wurde.

Während Tutujew in der georgischen Hauptstadt Tiflis arbeitet, sind laut Storsjö etwa vier bis fünf Reporter in Tschetschenien und anderen Gegenden in der Kaukasus-Region tätig. Die technische Umsetzung der Inhalte erfolge großteils in der Türkei. Als Mastermind hinter Kavkaz-Center gilt der von Moskau gesuchte, ehemalige tschetschenische Informationsminister und "Chefideologe" der Rebellen, Mowladi Udugow. (APA)

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