Pinochet-Richter Guzman geht "zufrieden" in den Ruhestand

13. Mai 2005, 22:57
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Zweimaliger Ankläger des früheren Diktators räumte seinen Schreibtisch

Santiago de Chile - Der zweimalige Ankläger des früheren chilenischen Diktators Augusto Pinochet, der Richter Juan Guzman, hat sich am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. Er sei "zufrieden" mit dem Erreichten, sagte der 66-Jährige vor Journalisten, nachdem er seinen Schreibtisch im Berufungsgericht in Santiago de Chile leer geräumt hatte.

"Meine Kollegen und ich sind viel weiter gekommen als die Rechtsanwälte der Kläger je zu hoffen gewagt hätten", antwortete er auf Kritiker, die ihm mangelnden Erfolg bei der strafrechtlichen Verfolgung Pinochets vorwarfen. Bei vielen Angehörigen von Opfern der Pinochet-Diktatur ist Guzman jedoch äußerst beliebt.

Verhandlungsunfähigkeit

Guzman hatte 1998 das erste Ermittlungsverfahren gegen den früheren Alleinherrscher eröffnet und ihn 2001 nach der Rückkehr aus britischem Hausarrest auch als erster unter Anklage wegen Verbrechen während der Diktatur (1973-1990) gestellt. Dieses Verfahren wurde damals wegen Verhandlungsunfähigkeit Pinochets eingestellt.

Im Dezember vergangenen Jahres erklärte Guzman den ehemaligen Machthaber jedoch nach einem weiteren ärztlichen Gutachten und einem Verhör für voll verhandlungsfähig und klagte ihn wegen Mordes und Entführung im Zusammenhang mit der "Aktion Condor", der grenzübergreifenden Verfolgung und Ermordung von Regimegegnern, an.

Für Aufsehen sorgten zuletzt Anklagen Guzmans gegen zwei ehemalige Innenminister der Diktatur. Sie hätten allein schon wegen ihrer hohen Ämter von den Menschenrechtsverletzungen wissen müssen, argumentierte Guzman. Damit wurde erstmals die Tür für Strafverfahren auch gegen Inhaber ziviler Ämter wegen Diktaturverbrechen geöffnet.

Ob der Ermittlungsdruck gegen Pinochet und andere Verdächtige durch das Ausscheiden Guzmans aus dem Justizdienst abnimmt, ist offen. Auf jeden Fall sei aber mit einer Verzögerung der Verfahren zu rechnen, da sich ein Nachfolger erst einarbeiten müsse, hieß es. Damit werde es auch wahrscheinlicher, dass Pinochet wegen seines hohen Alters von 89 Jahren nicht mehr vor Gericht komme. (APA/dpa)

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    Juan Guzman geht in Pension

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