Milliardär Kerkorian will groß bei GM einsteigen - Aktie hebt ab

13. Mai 2005, 19:32
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Ankündigung sorgt für Aufregung an den Börsen - GM-Aktien klettern um 16,5 Prozent - Merrill Lynch hebt Empfehlung an

Detroit - Der greise US-Milliardär Kirk Kerkorian will seinen Anteil an dem defizitären US-Autogiganten General Motors(GM) auf fast neun Prozent ausbauen und hat die Börsen damit in Aufregung versetzt. Kerkorians Investmentfirma Tracinda teilte am Mittwoch mit, sie werde 31 Dollar pro Aktie zahlen, 13,4 Prozent mehr als der Schlusskurs der GM-Aktie am Dienstag.

Der Finanzinvestor, der im April auf ganzer Linie in seinem Prozess gegen DaimlerChrysler gescheitert war, würde nach Abschluss des Kaufs von bis zu 28 Millionen Aktien für 868 Millionen Dollar (670 Mio. Euro) 8,9 Prozent an GM halten. Der 87-jährige Milliardär besitzt bereits knapp vier Prozent an dem Autohersteller.

Autowerte profitieren

Nach der Ankündigung stiegen weltweit die Notierungen der Autowerte, GM-Aktien kletterten um 16,5 Prozent auf 32,34 Euro. Im Dax gehörten DaimlerChrysler und Volkswagen zu den größten Kursgewinnern. GM lehnte eine Stellungnahme ab.

GM hatte im vergangenen Monat mit 1,1 Mrd. Dollar den größten Quartalsverlust seit der Beinahe-Pleite vor 13 Jahren gemeldet. Wegen der Probleme im US- und Europa-Geschäft des Autokonzerns, unter anderem beim deutschen Autobauer Opel, waren GM-Aktien zuletzt deutlich abgesackt.

Analysten äußerten sich skeptisch, ob Kerkorian schnelles Geld mit seiner Beteiligung machen könne. Wohl werde aber der Druck auf das GM-Management steigen, die Firma zu sanieren.

"Die Geier kreisen über dem Kadaver", sagte US-Vermögensverwalter Richard Steinberg von Steinberg Global Asset Management, der GM-Bonds hält. "Ich denke, er will das Management wach rütteln. Ich habe nicht das Gefühl, dass Kirk Kerkorian General Motors kontrollieren will."

Merrill Lynch stuft Aktie hoch

Die Investmentbank Merrill Lynch stufte die GM-Aktie nach Kerkorians Ankündigung von "Verkaufen" auf "Neutral" hoch. Tracinda sei nicht am Autogeschäft interessiert, sondern daran, Werte im Nicht-Kerngeschäft zu heben.

Zuletzt hatte vor allem die Finanzierungssparte, die nicht nur Autos verleast, sondern auch Hypothekenkredite vergibt, dem Unternehmen zu guten Zahlen verholfen. Das GM-Management werde auf Kerkorian reagieren. Die Merrill-Analysten erwarten eine "lange und langwierige Schlacht".

Öffentlichkeitsscheuer Milliardär

Der öffentlichkeitsscheue Kerkorian, dem unter anderem der Kasinobetreiber MGM Mirage in Las Vegas gehört, hatte zuletzt durch seine Klage gegen den deutsch-amerikanischen Autobauer DaimlerChrysler für Aufsehen gesorgt.

Der 1917 geborene Ex-Boxer und Weltkrieg-Kampfflieger war Anfang April in dem jahrelangen Milliarden-Rechtsstreit um die Fusion von Chrysler und Daimler-Benz vor einem US-Gericht unterlegen. Er will aber Berufung einlegen.

Der auf ein Vermögen von 5,7 Mrd. Dollar taxierte Kerkorian, der auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt Platz 41 belegt, hatte vor der schwäbisch-amerikanischen Megafusion rund 13 Prozent an Chrysler gehalten.

Später warf er DaimlerChrysler und Vorstandschef Jürgen Schrempp vor, dieser habe den Zusammenschluss nur deshalb als "Fusion unter Gleichen" deklariert, um den Chrysler-Aktionären weniger für ihre Aktien zahlen zu müssen. In Wirklichkeit sei Chrysler von den Deutschen schlicht übernommen worden.

Der als harter Verhandler bekannte Kerkorian hatte mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz gefordert. DaimlerChrysler hatte argumentiert, Kerkorian sei von Anfang an in alle Pläne eingeweiht gewesen. Er habe sogar die Fusion vorangetrieben, in dem er die Absicht vorzeitig an eine Zeitung verriet.

Aktie hebt ab

Der Kurs von GM kletterte nach der Ankündigung von Kerkorian steil nach oben, vorher waren die Titel auf ein Zehnjahrestief gefallen. Die Anteilsscheine des zweitgrößten US-Autobauers Ford legten 7,4 Prozent auf 10,17 Dollar zu, DaimlerChrysler-Papiere um 2,6 Prozent auf 31,35 Euro. (APA/Reuters)

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